Grindr-Kunstprojekt ‚Wanna Play‘ in Berlin wurde vorzeitig beendet

Der niederländische Künstler Dries Verhoeven hat seine Kunstaktion „Wanna Play? Liebe in Zeiten von Grindr“ in Berlin vorzeitig beendet: In einem gläsernen Container am Heinrichplatz in Kreuzberg wollte er zwei Wochen primär über Dating-Apps wie Grindr mit der Öffentlichkeit kommunizieren – die Chats inklusive aller Bilder waren dabei auf eine Wand projiziert worden. Die betroffenen User wurden darüber vorab nicht informiert.

Zwar wurden die Chats negativ dargestellt, doch mindestens ein Betroffener konnte so zu Bekannten identifiziert werden. „Diesen Vorgang bedauern wir sehr und bitten um Entschuldigung“ heißt es in einer Stellungnahme des Veranstalters, des Theaters „HAU – Hebbel am Ufer“.

Eigentlich sollte die Aktion noch bis 15. Oktober laufen. Doch die Proteste liefen in den letzten Tagen aus dem Ufer. Ein Betroffener sprach von einer „digitalen Vergewaltigung“, Verhoeven und die Veranstalter wurden Opfer eines Shitstorms. Ein Betroffener schlug am Donnerstag Abend sogar auf Verhoeven ein, nachdem er gemerkt hat, Teil der Aktion zu sein. Ein Unbekannte warf eine Scheibe gegen den Glas-Container. Daraufhin mussten Sicherheitskräfte den Glas-Container und den Künstler schützen. Weiters gab es mindestens eine Strafanzeige von einem Betroffenen.

Nun ziehen die Verantwortlichen die Konsequenzen: „Heute Nachmittag haben Dries Verhoeven und das HAU entschieden, das Projekt ‚Wanna Play? – Liebe in Zeiten von Grindr‘ vorzeitig zu beenden“, heißt es in einer Pressemitteilung des Theaters.

Noch einen Tag zuvor hat das Theater eine Ende der Aktion abgelehnt. Das Theater halte „diese Arbeit von Dries Verhoeven, so kontrovers sie auch aufgenommen wird, für einen relevanten Beitrag zu der Frage, wie sich Liebe, Sex und Sehnsucht, nicht nur in der homosexuellen Community, durch den Siegeszug sozialer Medien verändern und wie sich die Grenzen zwischen digitalem und öffentlichen Raum verwischen“, hieß es in einer Stellungnahme. Stattdessen sollten Maßnahmen wie eine stärkere Verfremdung der User-Bilder und eine Zustimmungspflicht „Wanna Play“ noch retten. Niemand solle „in eine Situation geraten, die nicht auf gegenseitigem Einvernehmen beruht“, so das Theater.

Allerdings kam zuletzt auch von der Politik heftige Kritik an dem Projekt. Der Berliner SPD-Abgeordnete Joschka Langenbrinck beschwerte sich beim HAU über die „unverschämte Idee“: „Ich schäme mich dafür, dass Ihre ‚Kunstaktion‘ auch mit meinen Steuergeldern über den Hauptstadtkulturfonds gefördert wird und bitte Sie eindringlich, die Performance unverzüglich zu beenden“. Diese würde Schwule an den Pranger stellen und bediene „ganz billige Vorurteile und leider immer noch gängige Stigmata in unserer Gesellschaft“. Und Langenbrinck ergänzt in seinem Brief, der auch an Bürgermeister Klaus Wowereit, Kulturstaatssekretär Tim Renner und den Datenschutzbeauftragten Alexander Dix ging: „Auf den Gedanken, dass Grindr-User möglicherweise mithilfe Ihrer ‚Kunstaktion‘ zwangsgeoutet werden, ist in Ihrem Haus anscheinend niemand gekommen.“

Auch Grindr kritisierte die Aktion nach mehreren Hinweisen von Usern.