Familiensynode: Fehlstart für Öffnung der römisch-katholischen Kirche

Zu einem Rohrkrepierer wurde der Versuch, die römisch-katholische Kirche in Familienfragen zu erneuern. Bei Homosexualität oder Geschiedenen geht die Kirche nicht auf die Menschen zu – konservative Kräfte haben sich durchgesetzt.

Waren im Zwischenbericht noch gleichgeschlechtliche Beziehungen, die auf dem katholischen Familienbild basieren, zumindest anerkennend erwähnt worden, blitzen die Reformer beim Abschlussbericht ab. Über jeden der 62 Punkte stimmten die 183 Kardinäle einzeln ab, und jeder von ihnen brauchte eine Zweidrittel-Mehrheit, um ins End-Dokument aufgenommen zu werden.

Und jener, der mehr Verständnis für Lesben und Schwule forderte, erreichte zwar eine absolute Mehrheit, verpasste aber zwei Drittel der Zustimmung. Im Zwischenbericht, der vom Budapester Kardinal Péter Erdő verfasst wurde, hieß es noch, Homosexuelle hätten „Gaben und Qualitäten, die wertvoll für die christliche Gemeinschaft sein können“. Doch der Endbericht verweist wieder auf den aktuell gültigen Katechismus aus dem Jahr 2003. In dem heißt es, es gebe „kein Fundament, auch nur entfernte Analogien zwischen homosexuellen Partnerschaften und dem Plan Gottes zu Ehe und Familie“ zu tätigen.

Bei der Meinung zum Zugang zu Sakramenten für wiederverheiratete Geschiedene konnten Reformer ebenfalls „nur“ eine absolute Mehrheit erreichen. Allerdings ist der Abschlussbericht nicht endgültig: So soll der außerordentlichen Synode im nächsten Jahr eine ordentliche folgen. Auch ist der Bericht für die Kirche nicht verbindlich.

Erwartet wird allerdings, dass Papst Franziskus die Ergebnisse der Synode im nächsten Jahr in einem verbindlichen Lehrschreiben festsetzt. „Wir haben noch ein Jahr, um zu arbeiten“, so der Papst.

Offiziell wird das vorläufige Scheitern anders interpretiert. Vatikansprecher Federico Lombardi sagte, die Versammlung der Bischöfe und Kardinäle aus aller Welt habe eine „ausgeglichene“ Abschlusserklärung verabschiedet. Er betont, es handle sich „nur um ein Arbeitspapier für die weitere Debatte“.

Für den Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Marx, ist das Papier ein „Kompromisstext“. „Wir haben zum ersten Mal jetzt auf einer Synode, vielleicht sogar seit Jahrzehnten, solch eine offene, breite Diskussion erlebt über Themen, die wirklich schwierig sind“, so Marx. Das Glas sei „halbvoll“, an einigen Stellen hätte auch er sich etwas mehr Mut gewünscht. „Zwei Schritte nach vorne, einer zurück“, war deshalb für Marx auch das Motto des Bischofskongresses. Die Debatte sei aber noch nicht zu Ende, betont der Kardinal.

Der Wiener Erzbischof Christoph Schönborn zeigt Verständnis für die konservativen Kardinäle, vor allem in Afrika, ist aber mit dem Ergebnis ebenfalls nicht zufrieden. Schönborn teile die Sorge der afrikanischen Bischöfe, „dass internationale Organisationen ein gewisses Bild von Familie und Sexualität und Fruchtbarkeit mit unlauteren Mitteln in Afrika durchsetzen wollen, indem sie Entwicklungshilfe, finanzielle Zuwendungen an bestimmte Bedingungen knüpfen, was die Veränderung der traditionellen afrikanischen Familienstrukturen betrifft“, sagte er in Radio Vatikan.

In einer Pressekonferenz betonte Schönborn, die Kirche könne „grundsätzliche kirchliche Bewertung gleichgeschlechtlicher Beziehungen“ nicht verändern – allerdings sei es ein „elementares christliches Gebot“, Lesben und Schwulen mit Respekt zu begegnen: „Wir schauen zuerst auf die Person und nicht auf die sexuelle Orientierung“, so der Wiener Kardinal. Dass die Kirche jeder Person mit Respekt begegne, bedeute jedoch nicht, dass sie auch „Respekt vor jedem menschlichen Verhalten“ haben müsse, so Schönborn. In der Verschiedenheit von Mann und Frau sehe die katholische Kirche ein „fundamentales Geschenk der Schöpfung Gottes“.

Wie ein Hohn klingt in diesem Zusammenhang die Abschlussbotschaft der Familiensynode. Dort heißt es: „Christus hat gewollt, dass seine Kirche ein Haus ist, das immer eine offene Tür hat, (…) ohne jemanden auszuschließen.“