Kampf gegen HIV eingeschlafen? Kritik von Elton John

Mahnende Worte kommen von Sir Elton John: Während des Einsatzes um die Gleichstellung von homosexuellen Paaren bei der Ehe habe die Community den Kampf gegen HIV und Aids aus den Augen verloren – mit teils verheerenden Folgen.

In einer Kolumne, die er in der „New York Times“ veröffentlichte, schreibt Sir Elton: „So engagiert, wie die Lesben- und Schwulencommunity und Bürgerrechtsaktivisten im Kampf für die Gleichheit bei der Ehe waren, haben wir bei jenem Kampf den Boden unter den Füßen verloren, der die Schwulencommunity am Anfang so intensiv wachgerüttelt hat: HIV und Aids.“

Man brauche bei diesem Kampf „die gleiche Koalition, die uns die Öffnung der Ehe gebracht hat – von Homosexuellen-Aktivisten, Menschenrechts-Experten und Sozialrechts-Anwälten bis hin zu Rechtsexperten und couragierten Politikern – um die immer größer werdende Aids-Krise wieder zu thematisieren.“

Und Grund dafür gibt es für Sir Elton John genug. Einer aktuellen Studie der Kaiser Family Foundation ist dreißig Jahre nach der Entdeckung des HI-Virus jeder achte Schwule in den USA HIV-positiv. Und „noch immer sagen eine Mehrheit der schwulen und bisexuellen Männer, dass sie über HIV ‚nicht besorgt‘ seien“, ärgert sich der Sänger.

Und auch die weiteren Zahlen der Statistik, die Elton John, der auch eine eigene Aids-Stiftung betreibt, zitiert, geben Anlass zur Sorge: So weiß nur ein Drittel der Befragten, dass die Zahl der HIV-Infektionen in den USA weiter steigt. 30 Prozent wurden noch nie auf HIV getestet, bei der Mehrheit der Befragten liegt der Test länger als ein Jahr zurück. Und nur ein Viertel hat von PrEP, der Prä-Exposition-Prophylaxe, gehört, die vor einer HIV-Infektion schützen kann.

„Ich habe mich im Jahr 1976 geoutet, kurz vor dem Beginn der Aids-Krise. Die Schwulenszene dieser Zeit hat nie von einer Ehe-Öffnung geträumt – wir wollten einfach nur leben und diese schreckliche Epidemie beenden, die unsere Liebsten umgebracht hat“, erinnert sich Elton John in seinem Kommentar. Seitdem hat sich viel verändert. „Aber so, wie wir diese Siege feiern, müssen wir auch zusammenkommen und unsere Anstrengungen erhöhen, HIV zu beenden. Nur dann werden wir wirklich Freiheit und Gleichheit gewonnen haben.“