Vitali Klitschko unterstützt Menschenrechte – aber nicht für Lesben und Schwule

Vitali Klitschko, Bürgermeister der ukrainischen Hauptstadt Kiew, will sich nicht für die Rechte von Lesben und Schwulen einsetzen. Das hat er der Münchner Stadträtin Lydia Dietrich von den Grünen am Rande einer Konferenz recht deutlich mitgeteilt.

Wie die Organisation „Munich Kiev Queer“ berichetet, hat Dietrich Klitschko am Rande der „Eurocities“-Konferenz gebeten, den Kampf für die Menschenrechte in der Ukraine zu unterstützen. Damit hatte der Bürgermeister auch kein Problem – solange es sich nicht um die Rechte von Lesben und Schwulen handle.

Dabei wäre genau dieser Einsatz wichtig: Letzte Woche wurde in Kiew das denkmalgeschützte Zhowten-Kino niedergebrannt, während ein Film der schwul-lesbischen Programmreihe des bekanntesten ukrainischen Filmfestivals gezeigt wurde. Nur durch ein Wunder wurde niemand verletzt. Der Verdacht liegt nahe, dass es Truppen des nationalistischen „Rechten Sektor“ waren. Um dem Verdacht der Immobilienspekulation zuvorzukommen, hat Klitschko angekündigt, das historische Gebäude wieder aufzubauen.

Stadträtin Lydia Dietrich ist von der Aussage Klitschkos entsetzt. „Vitali Klitschko hat auch nach dem homophoben Anschlag auf das Zhowten-Kino in Kiew nicht erkannt, dass Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender in Kiew und der Ukraine in ihren Menschenrechten betroffen sind. Das ist eine dramatische Ignoranz und Missachtung der elementaren Rechte, die selbstverständlich auch für LGBT gelten müssen“, so die Politikerin.

Und auch in der Ukraine herrscht über die Aussagen des Bürgermeisters Fassungslosigkeit. Taras Karasiichuk, Chef der ukrainischen Organisation Gay Alliance Ukraine, sagte er sei „sehr enttäuscht“. Schließlich ging es bei den Demonstrationen auf dem Maidan darum, allen Bürgern der Ukraine gleiche Rechte zu garantieren. „Unser Bürgermeister sollte als einer der aktivsten Politiker auf dem Maidan ein Aushängeschild für den Wandel in der Ukraine sein. Sein Statement ist ein Widerspruch: Er stehe ein für Menschen-, aber nicht für LGBT-Rechte. Das ist unmöglich“, ärgert er sich. Denn: „Menschenrechte sind Menschenrechte! Alles andere ist diskriminierend.“