Berliner Moschee sagt Besuch von Lesben und Schwulen zum zweiten Mal ab

Der Besuch von Lesben und Schwulen am 8. Dezember in der Şehitlik-Moschee findet nun offenbar doch nicht statt. Der Vorstand des Gotteshauses wisse nichts von dem Termin, den Vertreter des Berliner Lesben- und Schwulenverbandes (LSVD) gestern bekanntgegeben haben.

Damit wird der Dialog zwischen den Moschee-Vertretern und dem LSVD endgültig zur Farce. Denn bereits letzten Samstag haben Vertreter der Şehitlik-Moschee ein entsprechendes Treffen abgesagt, nachdem es in konservativen türkischen Medien harsche Kritik für den Dialog hagelte.

Eine Diskussion auf neutralem Boden wurde vom LSVD als „Alibiveranstaltung“ abgelehnt, obwohl dort unter anderem auch die für Integration zuständige Berliner Senatorin Dilek Kolat von der SPD teilnimmt.

Daran, dass der Dialog nun bröckelt, geben sich beide Seiten gegenseitig die Schuld. Auch der Ton zwischen den beiden Seiten hat sich auffallend verschärft.

Ender Çetin, Vorsitzender jenes Vereins, der die Şehitlik-Moschee betreibt, sagte am Donnerstag, der LSVD sage die Unwahrheit, wenn er von „konkreten Planungen“ oder einem Termin spreche. Gegenüber dem Online-Portal „queer.de“ wirft Çetin dem Lesben- und Schwulenverband vor, mit dem Besuch „politisieren“ zu wollen.

Der LSVD wiederum bleibt bei seiner Aussage, Çetin habe den Termin bereits am Mittwoch bestätigt. „Es hat wohl enormen Druck von der DITIB gegeben“, vermutet Jouanna Hassoun vom LSVD-Zentrum für Migranten, Lesben und Schwule (MILES). Die DITIB ist ein vom türkischen Staat abhängiger Dachverband für rund 900 Moscheen in Deutschland. Deutlichere Worte kommen von Jörg Steinert, Geschäftsführer des LSVD. Er kritisiert, dass „Herr Çetin gegenüber Pressevertretern sehr aktiv Unwahrheiten verbreitet“. Offenbar gebe es in der Şehitlik-Moschee keinen Platz für Lesben und Schwule, vermutet er.

Gegenüber „queer.de“ erklärte Çetin, dass er den Dialog mit dem LSVD behutsam angehen wolle – und möglichst ohne Presse, um ältere Muslime nicht zu verschrecken. Diese würden Homosexualität generell ablehnen. Doch seitens der Lesben- und Schwulenvertreter scheint das Interesse dafür abgekühlt zu sein. Der Dialog habe keinen Sinn, wenn „Schwule und Lesben als ungleichwertige Partner“ gesehen würden, so Steinert.