NEOS suchen ’schwule Sau‘: Heftige Experten-Kritik

Mit ihrer Suche nach einer „schwulen Sau“ oder „Transenwesen“ für ihre LGBT-Gruppe dürften sich die NEOS keinen guten Dienst erwiesen haben. Von Experten und aus der Community kommt scharfe Kritik an dieser Formulierung, und nun rudert auch die Partei selbst ein wenig zurück.

Mit Provokation fällt man auf – allerdings kann dieser Versuch auch in die Hosen gehen. Das mussten die NEOS feststellen, als sie auf Facebook Teilnehmer für die erste offene Veranstaltung ihrer LGBT-Gruppe gesucht haben. Der Text dazu: „Wenn du eine schwule Sau, Kampflesbe, Transenwesen oder sonst etwas bist, bist du hier richtig.“

Mit dieser provokanten Formulierung hat die pinke Partei wohl die Aufmerksamkeit in der Community erreicht, die sie haben wollte. Allerdings: Schon bald wurden die NEOS für ihre Formulierung heftig kritisiert. Einer der Kritiker: Mario Lehenbauer-Baum, Beauftragter für Diversity für den Berufsverband Österreichischer Psychologinnen und Psychologen.

Er erklärt, warum das Spiel mit solch provokanten Formulierungen gefährlich ist: „In diese Kategorie von Schimpfwörtern passen weitere Begriffe wie ‚Warmer‘, ‚Schwuchtel‘ oder viele andere. Diese Ausdrücke sollen andere verletzen und herabwürdigen. Eine Erinnerung an derartige Situationen ist meist mit Gefühlen von intensiver Verletzung und Demütigung verbunden, man erlebt sich als Mensch zweiter Klasse. Und niemand möchte sich freiwillig als Mensch zweiter Klasse fühlen“, so Lehenbauer-Baum.

Auch wenn die Formulierungen nur augenzwinkernd gemeint sind, überschreiten sie für den Psychologen eine Grenze: „Damit wird vor allem auch die jahrelange Arbeit von Vereinen wie den HOSIs zunichte gemacht, die eben gegen die Verwendung dieser Bezeichnungen auftreten und auch diesbezüglich sensibilisieren“, so Lehenbauer-Baum.

Ähnlich auch die Kommentare auf Facebook und Twitter: Marco Schreuder, Bundessprecher der Grünen Andersrum, schrieb dazu: „Stelle dir einfach einen jungen Menschen vor, der in der Schule gemobbt wird und das liest“ und vermutet auf Twitter, „es gibt auch wohlhabende Bobo-LGBTs ohne Empathie gegenüber Diskriminierungsopfern“. Andere User bezeichnen die Einladung auf „letzklassig“ und stellen die Frage, ob die NEOS auch jüdische oder migrantische Sympathisanten mit solchen provokativen Bezeichnungen einladen würden.

Mittlerweile haben auch die NEOS auf die Kritik reagiert. Über den offiziellen Twitter-Account der Partei hieß es, dass der Grund für die Verwendung der Begriffe bei der Veranstaltung am 2. Dezember aufgelöst werden würde – denn: „Wer keine Aufmerksamkeit für [eine] Veranstaltung schafft, hat aber auch keine Besucher“, so die NEOS auf Twitter. Der Titel der Veranstaltung sei bewusst gewählt worden, um „abseits der positivistischen Unterstreichungen klar auf noch immer bestehende Probleme hinzuweisen“.

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