Reformhaus-Magazin sagt Ende der Homosexualität voraus

Für Aufregung sorgte in Deutschland ein Artikel in der „Reform Rundschau“ – einem seit 1925 erscheinenden Magazin, das kostenlos in Reformhäusern aufliegt. Ein Mediziner erklärt in einem ausführlichen Artikel, warum Homosexualität unnatürlich ist.

„Yin und Yang im täglichen Leben“ heißt die Kolumne von Dr. Jürgen Freiherr von Rosen, der in der hessischen Provinz eine „Praxis für naturgemäße Ganzheitsmedizin“ betreibt. Diesmal erklärt er seine – nicht ganz so ganzheitliche – Einstellung zum Thema Homosexualität. „Wenn heute auf die Homosexualität so großer Wert gelegt wird und sogar ‚Ehen‘ zwischen Homosexuellen geschlossen werden, so ist das ein Verstoß gegen das universelle Gesetz von Yin und Yang bzw. das Gesetz der Polarität“ so der Mediziner.

Das könnte bald zu einem Ende der Homosexualität führen, ist der Freiherr überzeugt. Denn: „Ein Verstoß gegen ein Universalgesetz führt immer zu einer Gegenreaktion der Natur. Also wird auch bei diesem Verstoß eine entsprechende Gegenreaktion auftreten, wobei wir noch nicht wissen, wie diese aussehen wird.“

Der „Gegenausschlag des Pendels“ wäre also nur eine Frage der Zeit, denn „Naturgesetze sind mächtiger als menschliche Verordnungen oder Gesetze“. Als Beispiel führt Dr. Rosen den Untergang der Nazi-Diktatur an – für die auch Yin und Yang verantwortlich gewesen sein sollen.

Mittlerweile haben die Verantwortlichen reagiert. In der Online-Version des Artikels wurden die homophoben Passagen entfernt. Der Herausgeber der „Reform Rundschau“, die Vital Medien GmbH, gibt zu: „Der Beitrag war polemisch und hätte in dieser Form nicht veröffentlicht werden dürfen“. Herausgeber Frank Höpping übernimmt dafür „persönlich die Verantwortung“ und entschuldigte sich. In der nächsten Ausgabe werde er dazu Stellung nehmen. Es sei nicht die Absicht der Redaktion „Gefühle anderer Menschen zu verletzen oder gar jemandes Lebensweise zu diskreditieren“, derartige Beiträge sollen „in der Reform Rundschau künftig nicht mehr veröffentlicht werden“.

Doch für die „Reform Rundschau“ könnte der Artikel weitreichende Folgen haben: Die „Reformhaus eG“, ein Zusammenschluss von Reformhäusern, weist „die diffamierenden und diskriminierenden Äußerungen gegenüber Homosexuellen im Artikel von Dr. von Rosen in der ‚Reformrundschau 11/14‘ komplett zurück und distanzieren sich klar und eindeutig davon“. Mehrere hundert Reformhäuser hätten diese Ausgabe bereits „entfernt und vernichtet“ und „den Bezug dieses Magazins mit sofortiger Wirkung gekündigt“.

Die Reformhausbranche sei „eine moderne, weltoffene Branche“, heißt es in einer Aussendung der „Reformhaus eG“. „Die Vielfalt an Menschen in den Reformhaus-Geschäften und unserer Organisation macht uns selbst zu Betroffenen. Deswegen distanzieren wir uns in aller Deutlichkeit von homophoben Haltungen und Äußerungen jeglicher Art.“