Hinweise auf ‚Schwulen-Gen‘ verdichten sich

Gibt es doch ein „Schwulen-Gen“? Eine aktuelle Studie an 409 Brüderpaaren legt nach, dass es eine genetische Veranlagung für männliche Homosexualität gibt. Diese dürfte aber nicht der einzige Faktor sein.

Erste Hinweise für eine genetische Veranlagung fand der offen schwule Genetik Dean Hamer vor mehr als 20 Jahren. Er hatte die DNS von 40 schwulen Brüderpaaren untersucht und dabei herausgefunden, dass Veränderungen der Region Xq28 auf dem X-Chromosom auf Homosexualität hindeuten würden.

Und auch, wenn es an der Studie heftige Kritik gab – die Anzeichen dafür, dass es genetische Gründe gibt, die männliche Homosexualität begünstigen, haben sich verdichtet. In einer aktuellen Studie haben Genetiker rund um lan Sanders von der Northshore-Universität in Evanston die DNS von insgesamt 408 schwule Brüderpaaren untersucht.

Die einzige Gemeinsamkeit der 816 Probanden war ihre Homosexualität. Alle anderen Merkmale, zum Beispiel Haarfarbe, Größe, Abstammung oder Intelligenz, unterschieden sich.

Die DNS-Proben der Studien-Teilnehmer wurden auf Einzelnukleotid-Polymorphismen (SNPs) untersucht, das sind Variationen eines einzelnen Basenpaares. Einen besonderen Schwerpunkt legten die Forscher dabei auf Regionen, die schon vorher in Verbindung mit Homosexualität gebracht wurden. Neben Xq28 ist das unter anderem auch die Region 8q12 in der Mitte des Chromosoms 8.

Das Ergebnis: Die SNPs aus beiden Abschnitten dürften mit Homosexualität tatsächlich in Verbindung stehen. Für Sanders relativiert sich dadurch die Theorie, dass Homosexualität eine freie Entscheidung der Betroffenen sei. Doch die sexuelle Orientierung dürfte nicht nur an den Genen liegen. Der Genetiker vermutet, dass auch Umwelteinflüsse eine Rolle spielen würden.

„Vor uns liegt noch viel harte Arbeit, um die spezifischen Gene und ihre jeweiligen Funktionen zu identifizieren“, betont Sanders gegenüber der Fachzeitschrift „New Scientist“. Und fügt hinzu: „Und um die entsprechenden Gene bei Frauen zu finden.“