Polen bekommt seinen ersten offen schwulen Bürgermeister

Polen hat seinen ersten offen schwulen Bürgermeister. Bei der Stichwahl am Sonntag setzte sich Robert Biedroń in der Stadt Slupsk nahe der Ostseeküste mit 57 Prozent der Stimmen gegen Zbigniew Konwinksi von der regierenden liberalen Bürgerplattform (PO) durch. Biedroń trat als unabhängiger Kandidat an.

Der Politologe und Verleger Robert Biedroń ist ein Veteran der polnischen Lesben- und Schwulenbewegung: So hat er 2001 eine Organisation gegründet, die gegen sexuelle Diskriminierung kämpft. Ein Jahr später hat er auch sich selbst als schwul geoutet.

Biedroń sitzt seit 2011 als erster offen schwuler Abgeordneter im polnischen Parlament. Dort sitzt er für die anti-klerikale linke Partei Twoj Ruch, die früher als Palikot-Bewegung bekannt war. Als Mitglied des Justizausschusses hat er sich weit über die Parteigrenzen Ansehen für seine Ernsthaftigkeit und seinen Fleiss erworben.

Doch nicht überall werden seine Verdienste gewürdigt: Seit seinem Einzug ins Parlament wurde Robert Biedroń vier Mal verprügelt, das letzte Mal nach der „Parade der Gleichheit“ in Warschau. Auch seine Büros wurden schwulenfeindlich beschmiert.

In Slupsk wurde Biedroń mit dem Slogan „Endlich Wandel“ gewählt. Er hat angekündigt, in der 100.000-Einwohner-Stadt eine „moderate Politik“ zu verfolgen. Er möchte bei Wegen durch die Stadt vor allem das Fahrrad zu verwenden und hätte gerne, dass es ihm die Bewohner gleichtun. Außerdem will er sich für Energiesparen und kostenloses Internet einsetzen.

Im Wahlkampf war Robert Biedroń auch schwulenfeindlichen Angriffen ausgesetzt. So wurde er bei einem Fußballspiel der lokalen Mannschaft von Fans homophob beleidigt. Auch bei einem Basketballspiel, das Biedroń besuchte, gab es homophobe Beleidigungen der Fans. Am Montag sagte er, dass einige Fans ihn gewählt hätten, weil er den Mut hatte, zu dem Spiel zu erscheinen.