Seoul: LGBT-Aktivisten besetzen Rathaus

In der südkoreanischen Hauptstadt Seoul haben schwul-lesbische Aktivisten das Rathaus besetzt. Grund dafür ist die Weigerung von Bürgermeister Park Won-soon, ein Diskriminierungsverbot zu unterschreiben. Mittlerweile hat der Bürgermeister Gesprächsbereitschaft angekündigt.

Seit Samstag demonstrieren Aktivisten von 20 südkoreanischen LGBT-Organisationen. Sie fordern, dass Park eine Menschenrechtscharta unterschreibt, die Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität in der südkoreanischen Hauptstadt verbietet. Außerdem soll er sich mit den Lesben- und Schwulenaktivisten treffen und sich bei ihnen entschuldigen.

Das dürfte nun – zumindest teilweise – passieren: Am gestrigen Tag der Menschenrechte hat Park angekündigt, sich nach dem 17. Dezember mit den LGBT-Aktivisten zu treffen. Das hat eine der Gruppen auf Facebook angekündigt.

Auch Bürgermeister Park Won-soon hat sich auf Facebook zu Wort gemeldet: Er übernahm die Verantwortung für gewaltsame homophobe Proteste während den öffentlichen Anhörungen über die Charta. „Ich senke meinen Kopf und entschuldige mich für die Ängste, die ich verursacht habe“, schreibt er. „Ich dachte, es wäre wichtig, Einvernehmen herzustellen, um ein freiwilliges Bekenntnis zu einem gesellschaftlichen Versprechen zu schaffen, wie bei anderen Gesetzen. Ich war unfähig, die Menschenrechtscharta von Seoul mit dem Rest der Stadt bekanntzugeben“, so der Bürgermeister weiter.

Ob Park die Charta nun unterschreiben wird, ist unklar. Ursprünglich hatte der Bürgermeister die Charta unterstützt. Nach mehreren Treffen mit evangelikalen Gruppen hat er diese Unterstützung aber wieder zurückgezogen. Der Diskriminierungsschutz würde „gesellschaftliche Konflikte“ fördern, so Park heute.

Eine Aussage, die gut in das Bild passt, dass LGBT-Aktivisten vom Seouler Bürgermeister haben. „Er hat seit seiner Wahl im Jahr 2011 keine LGBT-Aktivisten mehr getroffen, aber war fleißig dabei, sich mit homo- und transphoben rechten Fundamentalisten an einen Tisch zu setzen“, ärgern sich die Aktivisten in einem offenen Brief. Die Haltung von Park sei auch deshalb unverständlich, weil er sich jahrelang als Menschenrechts-Anwalt engagiert hat.