St. Petersburg: Homo-Hasser nutzt Razzia in Schwulendisco für Propaganda

Der St. Petersburger Abgeordnete Witali Milonow, bekannt geworden durch das Gesetz gegen „Homo-Propaganda“, das er in den Stadtrat eingebracht hat, möchte offenbar das gesamte schwul-lesbische Leben in der russischen Millionenmetropole auslöschen.

So hat Milonow angekündigt, mit einem neuen Gesetz gegen „Verbreiter von Ausschweifungen“ vorgehen zu wollen. Im Klartext: Der Politiker der Putin-Partei „Einiges Russland“ möchte Clubs und andere Lokalitäten schließen lassen, in denen sich Lesben, Schwule oder Transgender treffen.

Einen kleinen Vorgeschmack dieser Pläne bekam am Samstag die bekannte Schwulendisco „Central Station“: Dort führte die Polizei am Samstag eine Razzia durch – mit Begleitung der russischen Zeitung „Fontanka“. Initiiert hatte diese Razzia Milonow: Er wollte zuvor in den Club – im Schlepptau minderjährige Mitglieder der Parteijugend mit einer Eintrittskarte. Und auch, wenn einer der Jugendlichen dabei ein SM-Kostüm trug, ließen die Türsteher den Homo-Hasser mit seiner Entourage abblitzen.

Wenig später kam Milonow wieder – mit der Polizei. Er sagte, dass sich angeblich Minderjährige in dem Club aufhielten. Das wäre ein Verstoß gegen das Gesetz gegen „Homo-Propaganda“, das mittlerweile in ganz Russland gilt. Danach schilderte der Politiker ausführlich, was er angeblich gesehen hatte: Lauter „zugedröhnte und angetrunkene Perverse“, und 20 Jugendliche hätten auf der Bühne Sex gehabt, empörte sich der Stadtrat. Viele Jugendliche seien, so Milonow, festgenommen worden. In den russischen Medien verbreitete sich diese Meldung wie ein Lauffeuer.

Nur: Sie stimmt nicht. Die Polizei teilte „Fontanka“ auf Anfrage mit, dass sie keine Minderjährigen in dem Club gefunden habe – und auch niemand auf die Wache mitgenommen wurde.

Für die Lesben- und Schwulenszene in St. Petersburg ist diese Aktion aber nur ein kleiner Vorgeschmack, was in Zukunft auf sie zukommen könnte. Denn wenn Milonow mit seinen Plänen durchkommt, könnten die Clubs künftig verpflichtet werden, ihre Veranstaltungen über Webcams ins Internet zu übertragen. Der Politiker behauptet, so könnten besorgte Bürger problematische Vorkommnisse jederzeit der Polizei melden. In der Praxis würden sich viele Lesben und Schwule in St. Petersburg dann aber wahrscheinlich nicht mehr in die Lokale trauen.

Was von de Plänen zu halten ist, ist unklar. In der Hauptstadt Moskau wird Witali Milonow belächelt, ein Abgeordneter des Oberhauses regte sogar an, seinen Geisteszustand zu überprüfen. Doch sein Gesetz gegen „Homo-Propaganda“ wurde dankbar in ganz Russland übernommen.