Schwulen Wiener mit Sex gelockt, dann ausgeraubt und erstochen: 20 Jahre Haft

Weil er schwul war, musste ein 33-jähriger Wiener im Juni 2011 am Liesingbach in Wien sterben. Zwei Slowaken nutzten seine Homosexualität aus, um ihn auszurauben und erstachen ihn dann. Die Strafe eines seiner Mörders wurde jetzt bei einer Wiederaufnahme des Verfahrens von lebenslang auf 20 Jahre reduziert. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Das Verbrechen ereignete sich am 28. Juni 2011: Der 33-jährige Wiener Robert A., ein tiefgläubiger Hindu, lernte die beiden Slowaken, 24 und 33 Jahre alt, am Karlsplatz kennen. Den jüngeren der beiden Männer dürfte er attraktiv gefunden haben. Schnell küssten und streichelten sich die beiden Männer. Der Wiener begleitete die beiden schließlich zu ihren Schlafplätzen beim Liesingbach nach Alterlaa.

Doch die beiden Slowaken hatten andere Pläne: Sie wollten den Wiener ausrauben. Dabei habe der 24-Jährige „die homosexuelle Neigung von Robert A. ausgenützt“ und diesen „heimtückisch in den Park gelockt“, so Staatsanwalt Gerd Hermann. Am Schlafplatz der beiden Männer habe er den 33-Jährigen gemeinsam mit seinem Landsmann, der bereits rechtskräftig zu lebenslanger Haft verurteilt ist, mit 13 Messerstichen umgebracht und im Anschluss beraubt.

In erster Instanz wurde der 24-Jährige deshalb auch zu lebenslanger Haft verurteilt. Doch sein Komplize setzte sich für eine Neuaufnahme des Verfahrens ein. Während er bei seiner eigenen Verhandlung die Bluttat noch seinem jüngeren Bekannten in die Schuhe geschoben hatte, übernahm der 33-Jährige nun die gesamte Verantwortung für das Geschehen. Die beiden Männer kennen sich seit ihrer Kindheit.

Er habe „den Verstand verloren“, weil Robert A. ihn küssen wollte. Daher habe er, quasi im Affekt, das Messer gezogen und den Wiener getötet. Der 24-Jährige habe „mit dem Mord nichts zu tun“. Grund für den Sinneswandel: der 33-Jährige habe „Gott kennengelernt“ und will nun „die Wahrheit nicht verschweigen“.

Um seinen Landsmann zu entlasten, schilderte der 33-Jährige auch im Zeugenstand seine neue Sicht der Tat: Zunächst hatten Robert A. und der 24-Jährige Sex im Gebüsch. Danach kam der Wiener auf den 33-Jährigen zu. „Er hat mich geküsst. Er hat mir in die Lippen gebissen und aufs Glied gefasst.“ Da sei er „ganz nervös“ geworden und habe „den Verstand verloren. Es hat sich etwas umgelegt in meinem Kopf.“ Er habe „die Schande der Homosexualität nicht über mich kommen lassen können. Ich habe vier Kinder.“

Weil er glaubte, Robert A. wolle nun auch von ihm Sex, „habe ich das Messer gezückt und ihm seitlich in die Rippen gestochen“, sagte der 33-Jährige, der nun als Entlastungszeuge für den jüngeren Slowaken auftritt. Dieser sei nur daneben gestanden und habe zugeschaut, beteuert der Zeuge. Der 24-Jährige habe ihm auch geholfen, die Leiche fortzutragen, behauptete der 33-Jährige.

Das widerspricht allerdings der Aussage des 24-Jährigen. Dieser hatte erklärt, er habe Robert A. nach dem Sex mit Handzeichen aufgefordert, ihn zu bezahlen. Darauf habe er 50 Euro erhalten. In einem günstigen Moment habe der junge Mann dessen Umhängetasche an sich genommen, sei davon gelaufen und habe sich „versteckt“. Was in weiterer Folge zwischen Robert A. und seinem Landsmann vorgefallen sei, wisse er nicht: „Ich habe weder den Mord noch die Leiche gesehen“ , versicherte er. Den Raub an Robert A. gab der junge Slowake zu.

Doch der Staatsanwalt stellte fest: Die Leiche wurde bewegt – und es gab dabei keine Schleifspuren. Also musste der leblose Körper von zwei Personen getragen worden sein, so Hermann in seinen Ausführungen. Auch wegen dieser Widersprüche waren die Entlastungsversuche des 33-Jährigen für die Geschworenen nicht glaubhaft. Sie entschieden mit 6:2 Stimmen für die Schuld des 24-Jährigen. Die Strafe wurde auf 20 Jahre reduziert. Der Staatsanwalt meldete Berufung an, der Angeklagte erbat sich Bedenkzeit. Das Urteil ist deshalb nicht rechtskräftig.