‚Homo-Hochzeit‘ in Ägypten: Strafe auf ein Jahr Haft reduziert

Ein Berufungsgericht in Kairo hat die Strafe gegen jene Männer herabgesetzt, die im November wegen einer angeblichen Schwulenhochzeit zu je drei Jahren Haft verurteilt wurden.

Wie die Zeitungen „Al-Ahram“ und „Al-Masry al-Youm“ berichten, wurde die Haftstrafe wegen „Anstachelung zu unsittlichem Verhalten“ vom Berufungsgericht auf je ein Jahr Haft reduziert.

Verhaftet und verurteilt wurden die Männer aufgrund eines Videos, das im Internet mittlerweile vielfach geteilt wurde. Es zeigt die Angeklagten auf einem Ausflugsboot auf dem Nil. Zwei davon küssen sich, tauschen Ringe und schneiden einen Hochzeitskuchen mit dem Bild der beiden an. Ihre Freunde johlen dabei im Hintergrund vor Freude.

Für die Staatsanwaltschaft handelt es sich dabei ganz klar um die Dokumentation einer Schwulenhochzeit. Einer der Verurteilten beteuerte dagegen im ägyptischen Fernsehen, das Video zeige nur eine Geburtstagsfeier. Andere Angeklagte sollen erklärt haben, dass es sich bei dem Video um einen Scherz gehandelt habe.

Für die Männer und ihre Familien war die Herabsetzung der Strafen kein großer Trost. Viele von ihnen rechneten mit einem Freispruch – obwohl der Staat derzeit mit Härte gegen alles vorgeht, was homosexuell sein könnte. Dem entsprechend brachen einige der Angeklagten zusammen. Auch die Familien sind erschüttert: „Sie haben mir das Herz geraubt“, rief eine Mutter. „Mustafa ist verloren, seine Zukunft ist dahin“, weinte eine andere.

Homosexualität ist in Ägypten zwar gesellschaftlich verpönt, aber nicht illegal. Trotzdem wurden die Männer wegen der „Veröffentlichung unzüchtiger Aufnahmen“ verurteilt – einer jener Gummiparagraphen, den Richter und Staatsanwaltschaft nach Belieben anwenden können, um Homosexuelle einsperren zu können. Medizinische Untersuchungen haben nach Angaben des Justizministeriums ergeben, dass die acht Männer keinen gleichgeschlechtlichen Sex hatten.

Die acht Männer sind nicht die einzigen Opfer einer harten Haltung der ägyptischen Regierung gegen Homosexualität: Derzeit müssen sich wegen „Unzüchtigkeit“ auch 26 Besucher eines Badehauses vor Gericht verantworten. Ihnen wird vorgeworfen, sich dort regelmäßig zu Orgien getroffen zu haben. Im April wurden außerdem vier Männer zu langen Haftstrafen verurteilt, weil sie „abartige Partys“ gefeiert und Frauenkleidung getragen haben sollen.