Von den Eltern gemobbt: 16-jährige Transgender nimmt sich das Leben

Im Körper eines Buben wurde sie geboren, und im Körper eines Buben nahm sie sich nur 16 Jahre später das Leben. Im Internet rührt der Abschiedsbrief, den Leelah Alcorn auf Tumblr veröffentlicht hat, viele Menschen zu Tränen. Denn er erzählt eine Geschichte, die es so nicht geben müsste. Und er ruft die Gesellschaft auf, solche traurigen Fälle künftig zu vermeiden.

„Das Leben, das ich gelebt hätte, wäre es nicht wert gewesen, gelebt zu werden – weil ich Transgender bin“, schreibt Leelah in ihrem Abschiedsbrief. Als Josh geboren, merkt Leelah schon im Alter von vier Jahren, dass bei ihr etwas anders ist. Zehn Jahre später hört sie das erste Mal den Begriff Transgender Sie hat „vor Glück geweint“, als sie „endlich verstanden hat, was ich bin“ – dass ihr Anderssein einen Namen hat und noch mehr Menschen dieses Schicksal teilen.

Doch die Eltern von Leelah sind streng religiös. Sie wollen nicht akzeptieren, dass ihr Sohn eigentlich ein Mädchen ist. Es wäre nur eine „Phase“, denn „Gott macht keine Fehler“. Sie schicken sie zu Therapeuten, ebenfalls gläubige Christen, die ihr ebenfalls ein schlechtes Gewissen machen und ihr sagen, sie solle beten.

Mit 16 wird ihr klar, dass ihre Eltern sie nie als Frau akzeptieren würden. Als ihre Eltern ihr an ihrem Geburtstag das Einverständnis zur Geschlechtsanpassung verweigern, weint sich Leelah in den Schlaf. Sie wusste: Erst mit 18 kann sie diesen Schritt machen. „Das hat mein Herz gebrochen. Je länger man wartet, umso schwieriger ist die Anpassung. Ich habe mich hoffnungslos gefühlt, hatte Angst, dass ich den Rest meines Lebens aussehe wie ein Mann in Frauenkleidern“, schreibt sie in ihrem Abschiedsbrief.

Ihr Ziel, genug Geld zu verdienen, um nach Erreichen der Volljährigkeit auf eigenen Füßen stehen zu können und mit der Geschlechtsanpassung zu beginnen, hat Leelah nicht mehr erreicht. Sie ist daran zerbrochen. „Die Leute sagen, ‚es wird besser‘, aber in meinem Fall stimmt das nicht. Es wurde schlimmer. Jeden Tag wurde es schlimmer“, zieht sie eine traurige Bilanz.

In ihrem Abschiedsbrief bestimmt Leelah am Ende, dass ihr Besitz verkauft werden soll und der Erlös an die Transgenderbewegung und entsprechende Gruppen gehen soll. „Der einzige Weg, wie ich in Frieden ruhen werde, ist, wenn Transgender nicht mehr so behandelt werden wie ich, sondern wie Menschen, mit echten Gefühlen und Menschenrechten. Über Gender muss in den Schulen gelehrt werden, je früher desto besser. Mein Tod muss etwas bewirken. Mein Tod muss gezählt werden, bei der Zahl der Transgender, die dieses Jahr Selbstmord begangen haben. Ich will, dass sich jemand diese Zahl ansieht, sagt, ‚Das ist Wahnsinn‘ und das ausbessert. Bessert die Gesellschaft aus. Bitte.“