Café Prückel: Homo-Boykott nach Kussverbot für Lesben

Viele Lesben und Schwule wollen künftig das Wiener Ringstraßencafé Prückel boykottieren. Grund dafür ist, das ein sich küssendes lesbisches Paar aus dem Lokal geworfen wurde.

Das berichtet die die SPÖ-nahe Schülerorganisation „Achse kritischer SchülerInnen“ (aks): „Als sich zwei lesbische Frauen bei der Begrüßung küssen, werden sie von einem Kellner des Cafe Prückels aufgefordert, dies zu unterlassen und abschätzig behandelt“, heißt es in einer Aussendung. Die Frauen hätten sich bei der Geschäftsführung über den Kellner beschwert, daraufhin seien sie aufgefordert worden, das Lokal zu verlassen. Ihre „Andersartigkeit“ sollten sie woanders ausleben, zitiert die 19-jährige Anastasia Lopez, eine der Betroffenen, die Betreiberin des Cafés, Christl Sedlar.

Sedlar, relativiert diese Darstellung. Gegenüber dem ORF sagte sie, es war „mehr als ein Begrüßungskuss“: „Zu einem Begrüßungskuss habe ich noch nie etwas gesagt. Aber man muss ja nicht öffentlich so zeigen, dass man zusammengehört“, so Sedlar weiter.

Es ist nicht das erste Mal, dass das Café Prückel homophobe Schlagzeilen schreibt. Bereits 2005 wurde ein lesbisches Paar des Lokales verwiesen, weil es sich umarmt und geküsst hat. Insgesamt gebe es in Wiener Kaffeehäusern fünf bis sieben solcher Vorfälle im Jahr, erklärt Gerd Picher vom Netzwerk „To Russia With Love Austria“.

Gesetzlich ist der Rausschmiss gedeckt: In Österreich besteht der gesetzliche Diskriminierungsschutz bezüglich der sexuellen Orientierung nur für Beruf und Beschäftigung. Eine Ausweitung des Gesetzes ist bis jetzt immer am Widerstand der ÖVP gescheitert.

Viele Wiener Lesben und Schwule wollen diese Diskriminierung nicht länger hinnehmen: In sozialen Netzwerken wie Facebook kündigen sie bereits an, nicht mehr ins Prückel gehen zu wollen. Unterstützung bekommen sie dabei von prominenten Österreichern wie ZIB-2-Anchor Armin Wolf oder der Gesellschaftsjournalistin Isabella Großschopf, die den Vorfall auf Facebook und Twitter ebenfalls teilten.

Und auch international schlägt das Verhalten des Café Prückel bereits Wellen. Die Kölner Boulevardzeitung „Express“ berichtet über den Fall und stellt gleich zu Beginn klar: „Das hat nichts mit Toleranz und Gleichberechtigung zu tun, was im Café Prückel in Wien vorgefallen ist.“ Für den Wien-Tourismus, der sich bemüht, Wien als Ziel für Lesben und Schwule zu etablieren, sind solche Schlagzeilen eine kleine Katastrophe.

Viele Lesben- und Schwulenorganisationen unterstützen deshalb eine Protestkundgebung von aks, der HOSI Wien und der LGBT-Gruppe von Amnesty, Queeramnestey, vor dem Café Prückel. Am nächsten Freitag soll vor dem Café gleichgeschlechtlich geküsst werden. Auf Facebook haben bereits mehr als 3.000 Personen angekündigt, an der Veranstaltung teilnehmen zu wollen.