Kussverbot im Prückel: Imageschaden für Wien wird immer größer

Dass die Chefin des Café Prückel, Christl Sedlar, ein lesbisches Paar aus dem traditionellen Ringstraßencafé geschmissen hat, entwickelt sich immer mehr zum internationalen PR-Desaster. Sogar US-amerikanische Medien berichten über den Vorfall.

„Andersartigkeiten gehören ins Puff“

Die 26-jährige Eva Preien und ihre 19-jährige Freundin Anastasia Lopez wurden des Lokals verwiesen, nachdem sie sich geküsst haben. Zunächst habe sich der Kellner über den Kuss beschwert, dann wurden sie eine Stunde lang nicht bedient. Daraufhin seien sie zu Sedlar gegangen, berichten die Frauen. Diese habe sie aufgefordert, das Lokal zu verlassen. „Sie meinte, solche Andersartigkeiten gehören ins Puff und nicht in ihr Traditionskaffeehaus“, erinnert sich das Paar im „Kurier“ an den Vorfall.

Der Tageszeitung erklärt die 60-jährige Kaffeehauschefin auch, dass es nicht um das Geschlecht des Paares ging. „Mir ist es egal, wer mit wem schmust. Ich bin ein Alt-Wiener Kaffeehaus und will das nicht haben“, erklärt sie. Denn: „Schmusen, das brauch’ ich nicht. Warum müssen sie unbedingt zeigen, dass sie zusammen gehören?“, so Sedlar.

Sogar US-Webseiten berichten über den Vorfall

Nun springen auch internationale Medien auf diese Geschichte auf. Das „New York Magazine“ widmet dem Vorfall in seiner Reise- und Gastronomierubrik „Grub Street“ einen ausführlichen Artikel. Hier macht man darauf aufmerksam, dass „keiner der Gäste sich eingemischt oder sich für das Paar eingesetzt hat“.

Auch das größte schwul-lesbische Newsportal Europas berichtet über den Rausschmiss des lesbischen Paares aus dem Café Prückel. Der renommierte „Spiegel“ schreibt in seiner Online-Ausgabe über den Vorfall. „Der Kuss missfiel offenbar dem Kellner, der die zwei Frauen abschätzig behandelte. Als sich die Frauen schließlich bei der Geschäftsführung beschwerten, wurden sie hinausgeworfen“, fasst das Hamburger Magazin den Vorfall zusammen. Auch die „Süddeutsche Zeitung“, der deutsche Ausgabe der „Huffington Post“ oder die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ berichten über den Vorfall.

Mehr als 5.000 Teilnehmer bei Gegendemo?

Damit entwickelt sich die sture Haltung der Prückel-Chefin zu einer mittleren Katastrophe für den Ruf Wiens als Stadt, die Lesben und Schwule gerne begrüßt. Der Wien Tourismus arbeitet seit Jahren darauf hin,

Mittlerweile ist die Zahl der Personen, die am Freitag an einem Kiss-In vor dem Prückel teilnehmen wollen, auf mehr als 5.000 angestiegen. Auch ein zweistündiges Rahmenprogramm mit Reden und Musikgruppen ist geplant.

„Wir rechnen mit der Hälfte aller Facebook-Zusagen, aber das wären immer noch über 2.000 Menschen“, so Lopez. Die mediale Aufmerksamkeit habe sie selbst überrascht: „Ursprünglich dachten wir, wir werden mit 20 bis 50 Leuten aus unserem Bekanntenkreis dort stehen, wir freuen uns aber sehr über so viele Solidaritätsbekundungen.“

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