Mitterlehner möchte, das ÖVP mit Homo-Paaren ‚respektvoll umgeht‘

Stärkung der 'traditionellen Familie' und Akzeptanz von Lesben und Schwulen kein Widerspruch

Reinhold Mitterlehner
ÖVP

In einem Interview mit der „Kleinen Zeitung“ hat ÖVP-Chef Reinhold Mitterlehner erneut gleichgeschlechtliche Paare verteidigt. Kritik an dieser Haltung innerhalb seine Partei versteht der Vizekanzler.

Mitterlehner hat bei der Klubklausur der ÖVP in der letzten Woche die Koexistenz von Eingetragener Partnerschaft und heterosexueller Zivilehe ausdrücklich anerkannt. Gleichgeschlechtliche Partnerschaften seien kein Angriff auf die „Kernfamilie“, die von der ÖVP regelmäßig betont wird.

„Rechte für Homo-Paare schmälern Rechte für Hetero-Paare nicht“

Diese Position bestärkt Mitterlehner nun gegenüber der „Kleinen Zeitung“. Er selbst gehe „immer mit Logik an ein Thema heran“, erklärt Mittlerlehner. „Es herrscht vielfach die Meinung vor, wenn man gleichgeschlechtliche Paare anerkennt, würde man die Rechte der Familien schmälern, als würde ich Personen, die für die Normalfamilie ausgerichtet werden, abwerben“, erklärt er die Ängste seiner Partei. Dabei könne man „ohne Probleme die traditionelle Familie forcieren und mit der Homosexualität respektvoll umgehen“, erklärt Mitterlehner.

Dass dieser Kurswechsel innerhalb der ÖVP nicht ganz freiwillig passiert, gibt auch ihr Vorsitzender zu. „Auch in diesem Bereich zwingt uns der Verfassungsgerichtshof zum Handeln“, gesteht er offen ein. Zuletzt hat der Verfassungsgerichtshof (VfGH) die Möglichkeit der Adoption für gleichgeschlechtliche Paare geöffnet. Andere Änderungen, wie das Schließen von Eingetragenen Partnerschaften am Standesamt, hat die ÖVP zwar angekündigt, aber nicht umgesetzt.

Dass Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter letztes Jahr noch innerparteilich kritisiert wurde, als er sich öffentlich die Öffnung der Adoption für schwule und lesbische Paare vorstellen konnte, erklärt Mitterlehner damit, dass wir „in einer sich ständig schneller bewegenden Welt“ lebten: „Die Haltung, man sollte alles wie früher belassen, entspricht nicht der Lebensrealität der Menschen“, erkennt der ÖVP-Chef.

Offen bleibt, was Mitterlehners Positionierung genau bedeutet. Denn „die traditionelle Familie forcieren und mit der Homosexualität respektvoll umgehen“ klingt nicht wirklich nach einer echten Gleichberechtigung. Ein möglicher Schritt wäre, dass die vor fast einem Jahr angekündigten Beseitigungen der Unterschiede zwischen Eingetragener Partnerschaft und Zivilehe vollzogen werden – eine Ehe-Öffnung aber weiter strikt abgelehnt wird.