[Update] Wien: Transgender-Frau in ihrer Wohnung ermordet

In Wien-Ottakring wurde eine türkischstämmige Transgender-Frau tot in ihrer Wohnung aufgefunden. In offiziellen Mitteilungen der Polizei und Medienberichten wird sie allerdings fälschlicherweise als Mann bezeichnet.

Ersten Erkenntnissen zufolge dürfte die 35-jährige Hande Ö. vor eineinhalb bis zwei Wochen erdrosselt worden sein. Tatwaffe war vermutlich ein Tuch. Seitdem lag die Leiche vermutlich in ihrer kleinen Einzimmer-Wohnung. Als sich ein Freund Sorgen über sie gemacht hat, brachen Feuerwehr und Polizei am Sonntag die Wohnung auf. Sie fanden die Transgender-Frau nackt in der Wohnung in der Haymerlegasse. Ihre Hände waren auf den Rücken gefesselt.

Transfrau arbeitete „mangels Alternativen als Prostituierte“, so „Asyl in Not“

Die 35-Jährige war „mangels Alternativen dazu gezwungen, der Sexarbeit nachzugehen“, so die Organisation „Asyl in Not“ in einer Aussendung. Weil sie nicht arbeiten durfte, aber von etwas leben musste, habe sie Fremde in ihre Wohnung gelassen.

Nun sucht das Landeskriminalamt Wien nach ihrem Mörder. „Wir haben derzeit wenige Anhaltspunkte“, sagt Polizei-Sprecher Patrick Maierhofer. Noch gestern konnte die Polizei Medienberichte, die das Opfer mit Prostitution in Verbindung bringen, nicht bestätigen. Das dürfte sich mittlerweile geändert haben: Nach Informationen des „Kurier“ konzentrieren sich die Ermittlungen derzeit auf die Rotlicht-Szene. Weitere Details wurden aus kriminaltaktischen Gründen nicht bekanntgegeben.

Polizei spricht konsequent von „männlichem Mordopfer“

In den offiziellen Mitteilungen der Polizei – und damit auch in den meisten Medienberichten – wird Hande Ö. übrigens nach ihrem biologischen Geschlecht als „Mann“ bezeichnet. Marco Schreuder, Bundessprecher der Grünen Andersrum, kann das nicht verstehen: „Zuerst wird die türkische Trans-Frau vermutlich aus Hass ermordet. Dann rauben ihr die Medien auch noch ihre Identität. Widerlich.“, twittert der Politiker.

Nach Österreich kam Hande Ö. vor weniger als einem halben Jahr, um jenen Repressalien zu entkommen, denen Transgender in der Türkei ausgesetzt sind. In Wien hat sie sich unter anderem in der Rosa Lila Villa für die Rechte von Transgendern engagiert. Dort kann man ihren Tod kaum fassen. „Wir sind bestürzt über den Tod unserer Freundin Hande. Im letzten Jahr hat sie viele Projekte der Villa mitbegleitet. Wir vermissen sie“, heißt es auf Facebook.