Laun: „Habe niemanden mit Nazis verglichen“

Angriff auf die LGBT-Bewegung stößt auch in der Kirche auf Kritik - jetzt rudert der Geistliche zurück

Andreas Laun
Josef Kuss/Bischofskonferenz

Letzte Woche sorgte der Salzburger Weihbischof Andreas Laun mit seinem Vergleich zwischen der LGBT-Bewegung und den Nationalsozialisten für Aufregung. Nun rudert er zurück. Er habe „niemanden mit den Nazis verglichen“, betont der Geistliche.

Homosexualität ist für Weihbischof Laun eine heilbare Krankheit

In einem Vortrag, den Laun im November im Kloster Mariawald gehalten hatte, bezeichnete er unter anderem sexuelle Vielfalt als Krankheit und kritisierte Versuche, Psychologen und Ärzte, die eine – psychologisch gefährliche – „Heilung“ von Homosexualität anböten, zu entlassen. Dann verglich Laun das Schweigen der Bevölkerung über solche Themen mit dem Schweigen der Bevölkerung über den Nationalsozialismus.

Die Mitschrift des Vortrages von Laun ist mittlerweile von der Homepage des Klosters verschwunden. Der Salzburger Weihbischof weist darauf hin, dass der Text „unautorisiert“ war. Auch den Vergleich der Lesben- und Schwulenbewegung mit dem Nationalsozialismus weist der Geistliche zurück.

Laun distanziert sich vom Nazi-Vergleich – aber nicht ganz

Doch so ganz möchte sich Laun von diesem Vergleich offenbar doch nicht distanzieren. Er betont, lediglich darauf hingewiesen zu haben, dass „unsere Vorfahren“ oft „moralisch verurteilt“ würden, weil sie – aus Angst vor der Gestapo – „damals keinen Widerstand leisteten und nicht den Mund aufmachten.“

Heute sei die Lage anders, betont der Salzburger Weihbischof. „Die Menschen beschäftigen sich wenig mit den ideologischen Bedrohungen von heute und, wenn sie sie doch begriffen haben, zeigen sie kaum Mut, diesen neuen, ganz anderen Bedrohungen zu widersprechen“, so Laun. Dadurch gerate die Meinungsfreiheit in Gefahr, fürchtet der Geistliche.

Er habe mit seinem „Vortrag gegen die Gender-Ideologie die Freiheit verteidigt“, ist Laun überzeugt

Er bedauere, dass die Meinungsfreiheit in Gefahr gerate, verloren zu gehen. Widerspruch gegen „bestimmte Dogmen des Zeitgeistes“ werde geahndet, etwa durch „aggressive Gegendemonstrationen“ gegen jene, die gegen Abtreibung oder „sexuelle Verführung ihrer Kinder im Schulunterricht“ protestieren, nimmt Laun Bezug auf die Demonstrationen konservativer Eltern, vor allem in Süddeutschland. Dort sollte auch im Lehrplan auf sexuelle Minderheiten altersgemäß eingegangen werden.

Mit seinem Vortrag gegen die „Gender-Ideologie“ in Mariawald habe er „die Freiheit verteidigt“, ist Laun überzeugt. Sein Ziel sei es, „allen Menschen den Glauben der Kirche näherzubringen“.

Dass die Aussagen Launs dem förderlich sind, bezweifelt offenbar auch sein direkter Vorgesetzter, der Salzburger Erzbischof Franz Lackner. „Weltanschauungsfragen und sexuelle Orientierungen dürfen in keinster Weise mit menschenverachtenden und totalitären Systemen (z. B.: Nationalsozialismus) in Verbindung gebracht werden. Die Kirche weiß sich den Menschenrechten verpflichtet und hat Respekt und Achtung vor der Würde jeder einzelnen Person“, heißt es in einer knappen Stellungnahme.