Teddy Awards: Lateinamerika gibt bei Queer Cinema den Takt an

Am Wochenende wurden in Berlin die 29. Teddy Awards verliehen. Der Preis gilt als bedeutendste Auszeichnung für Filme mit schwul-lesbischen Themen, die Preisverleihung als größte Einzelveranstaltung der Berlinale. Ein Trend lässt sich aus den Auszeichnungen absehen: Besonders in Lateinamerika holt das Queer Cinema stark auf.

Der Preis für den besten Spielfilm ging an „Nasty Baby“ von Sebastián Silva. Das US-Drama handelt vom Kinderwunsch eines schwulen Künstlers. Dieser Wunsch wird schnell zur Obsession, bis die Situation eskaliert. Die Hauptrolle wird dabei vom Regisseur selbst gespielt.

Als beste Dokumention wählte die Jury aus Experten anderer querer Filmfestivals „El Hombre Nuevo“. Der Film von Aldo Garay beobachtet die Trans-Community in Uruguay. Garay beobachtet dabei seine Protagonistin Stephanía mehr als zwanzig Jahre lang. Dem entsprechend einfühlsam und persönlich ist der Film. Er erzählt die Geschichte eines Menschen, der zunächst als linker Revolutionär und dann als Transgender für eine Umgebung kämpft, die ihre Mitmenschen mit Respekt behandelt. Dabei lässt er auch die dunklen Seiten von Stefania nicht aus – Drogen, und Prostitution spielen in dem Film genauso eine Rolle wie Interviews oder ein sehr leidenschaftliches Gespräch mit ihrer Mutter.

„San Cristobal“, ein Film des chilenischen Regisseurs Omar Zúñiga Hidalgo, bekam den Teddy als bester Kurzfilm. In dem Film wird die Liebesgeschichte zweier junger Männer erzählt, die sich in einem abgeschiedenen Fischerdorf im Süden Chiles kennen und lieben lernen – doch im Dorf sieht man diese Gefühle mit Argwohn.

Der Jury Award geht an „Stories of Our Lives“, ein Film von Jim Chuchu über Lesben, Schwule und Transgender in Kenia. Für den Film zogen Künstler monatelang durch Kenia, um die Lebensgeschichten von jungen Lesben, Schwulen, Transgendern, Inter- und Bisexuellen in Kenia zu erfahren. Daraus wurden fünf Drehbücher für Kurzfilme, die sehr direkt erzählen, wie die Jugendlichen in einer Gesellschaft leben, die ihre sexuelle Identität nicht akzeptiert.

Und nicht nur Filme wurden bei den Teddy Awards in der Komischen Oper Berlin ausgezeichnet: Der Schauspieler Udo Kier bekam den Special Teddy Award für sein Lebenswerk. Er hat in mehr als 200 Filmen mitgespielt, unter anderem bei Andy Warhol, Lars von Trier und Christoph Schlingensief. Der „David Kato Vision & Voice Award“ geht an die HIV-positive Aktivistin Martha Tholanah aus Simbabwe.

Unterden Gästen waren Regisseur Rosa von Praunheim, Sängerin Marianne Rosenberg und der offen schwule Ex-Fußballer Thomas Hitzlsperger. Ein Grußwort gab es von dem ehemaligen Regierenden Bürgermeister

Berlins, Klaus Wowereit.