Nach Homo-Pranger: Ägyptische Journalistin selbst vor Gericht

Mona Iraqi war live dabei, als Anfang Dezember 26 Männer aus einem Badehaus in Kairo abgeführt wurden, weil sie dort homosexuelle Handlungen vollführt haben sollen. In ihrer Fernsehsendung berichtete die Reporterin dann ausführlich über dieses Ereignis. Die Männer wurden von den Vorwürfen der Unsittlichkeit freigesprochen – doch nun landet die Journalistin vor Gericht.

Wie man heute weiß, hat Iraqi die Polizei selbst alarmiert, um dann die Verhaftung der Männer in allen Einzelheiten filmen zu können. Sie zeigte, wie die Männer teilweise nackt in die Polizeibusse geführt wurden, und hetzte anschließend gegen das Badehaus. Das führte zu internationalen Protesten.

Mona Iraqi rechtfertigte sich damit, lediglich über Leute zu berichten, die für die Verbreitung von Aids verantwortlich seien. Doch das Gericht sprach alle Männer, die bei der Razzia verhaftet wurden, mangels an Beweisen frei. Einige von ihnen verklagen nun ihrerseits die Journalistin.

Wie ein Behördensprecher mitteilte, sollen am 1. März zwei Verfahren gegen Mona Iraqi beginnen. Sie wird wegen ihrer Berichterstattung in diesem Fall der Verleumdung und Verbreitung von Falschmeldungen angeklagt. Wird sie schuldig gesprochen, könnte ihre Fernsehsendung eingestellt werden müssen.

Homosexualität ist in Ägypten zwar nicht strafbar, allerdings können Lesben und Schwule aufgrund dehnbarer Moralgesetze vor Gericht gebracht werden. Üblich sind Anklagen wegen Gefährdung der öffentlichen Ordnung oder der „Verletzung der Lehren der Religion“. 95 Prozent der Bevölkerung in Ägypten akzeptieren neuen Studien zufolge Homosexualität nicht.