Homophobe Beleidigungen auf Facebook-Seite der Berliner Zeitung

Heftige Kritik gibt es am Social Media Management der Berliner Zeitung: Das Blatt postete einen ausführlichen Bericht über einen libanesischstämmigen Burschen, der nach seinem Coming Out in der Heimat seiner Eltern zwangsverheiratet werden sollte. Nach einem Entführungsversuch verklagt er nun die Eltern. Den Facebook-Nutzern der Berliner Zeitung gefällt das aber überhaupt nicht.

Die Kommentare unter dem Facebook-Posting für den Beitrag sind an Bösartigkeit nicht zu überbieten. Die Berliner Initiative „Enough is Enough – Open Your Mouth“ hat einige traurige Höhepunkte auf ihrer Facebook-Seite gesammelt. „Sei schwul für dich, hau ab, verschwinde, aber zieh deine Familie nicht vor Gericht“ ist da zu lesen, oder „Schwuchteln sind gegen die Natur“, „Viel Glück und lass Dir den Anus schön verwöhnen du Homo“.

Die Bezeichnung „Hurensohn“ für den Burschen wurde von 22 Usern mit „Gefällt mir“ bedacht, auch wurde der Bursche auf der Facebook-Seite als „Rosettenlutscher“, bezeichnet, ihm eine Kastration angekündigt oder ein Schließmuskelriss gewünscht. Ein User greift die „Adam and Eve, not Adam and Steve“-Metapher konservativer US-Christen auf und erklärt, Allah habe „Adam und Eva (…) und nicht Hans und Peter“ erschaffen.

Wie die Screenshots von „Enough is Enough“ zeigen, sind diese Beschimpfungen teilweise mehr als 19 Stunden online.

Als die Berliner Initiative den Verlag daraufhin kontaktierte, war die Antwort für ein Medienunternehmen mehr als peinlich. „Im Moment arbeiten hier alle an der Zeitung von morgen. Da erreiche ich niemanden. Ich gebe es gern weiter“, bekamen die Aktivisten gestern nachmittag zu hören.

Mittlerweile hat der Berliner Zeitung auf ihrer Facebook-Seite einige der schlimmsten Hass-Kommentare entfernt. Noch immer online ist ein Kommentar, der „schlachten“ als Konsequenz für den Burschen empfiehlt. Auch die Empfehlung „Lauf gegen die Wand ohne Anlauf, das ist nämlich der einzige und der richtige Weg für Dich“ ist noch zu lesen. Die Mehrheit der Kommentare wünscht dem Burschen allerdings Mut und steht ihm – zumindest virtuell bei. Die Berliner Zeitung selbst weist in einem Kommentar „aus gegebenem Anlass“ auf die Netiquette der Zeitung hin: „Achten Sie auf einen respektvollen Umgangston“.