Homophoben Politiker gereizt: Staatsanwalt knöpft sich Lesben-Club vor

Die Staatsanwaltschaft von St. Petersburg hat sich den Lesben-Club „Infinity“ genauer angesehen. Er gehört jener Frau, die auf einem Aeroflot-Flug ihre Freundin geküsst hat – eine Reihe weiter hinten saß der offen homophobe Politiker Vitali Milonow aus St. Petersburg. Auf einem Selfie, das die Frauen gepostet haben, ist er deutlich zu sehen.

Das stieß Milonow, der unter anderem das Gesetz gegen „Homo-Propaganda“ in den Stadtrat von St. Petersburg eingebracht hat, sauer auf. „Ich verstehe nicht, was sie machen, aber sie scheinen einen guten Sinn für Humor zu haben“, sagte er, nachdem das Bild öffentlich wurde.

Und er fügte hinzu: „Ich habe auch einen guten Sinn für Humor. Ich werden diesen Scherz vielleicht weiterführen, indem ich ihren Homo-Club in St. Petersburg schließe, oder ihnen verbiete, sich in der Öffentlichkeit zu treffen – das wäre auch lustig“, droht er Konsequenzen an.

Diese fanden nun statt. Zuvor hatte die schwulenfeindliche Gruppe „Moskau ist nicht Sodom und Petersburg ist nicht Gomorrah“ die Öffentlichkeit aufgerufen, sich über die Facebook-Seite des Nachtclubs zu beschweren. „Vor den Augen aller haben sie auf einem Flug von Moskau nach St. Petersburg ihre perversen Neigungen gezeigt und einen Skandal im Internet hervorgerufen“, heißt es in ihrem Aufruf.

Daraufhin hat sich die Staatsanwaltschaft von St. Petersburg den Facebook-Auftritt des Lesben-Nachtclubs genauer angesehen. Der Verdacht: Einige der 27.000 Mitglieder könnten jünger als 18 Jahre sein. Das wäre ein Verstoß gegen die Gesetze gegen „Homo-Propaganda“.

Allerdings war der Kreuzzug gegen den Lesben-Club nicht gerade von Erfolg gekrönt. Alexandra Stepanowa, eine der Leiterinnen des Clubs, erklärte einer russischen Nachrichtenseite: „Während den Überprüfungen haben sie keine Verstöße festgestellt. Nun prüft die Medienbehörde Roskomnadzor unsere Gruppe bei VKontakte, ob dort Verstöße vorliegen.“