Britische Blätter spekulieren über Sexualität des Germanwings-Piloten

Die Berichterstattung über jeden Co-Piloten, der ein Flugzeug der Germanwings in den französischen Alpen zum Absturz gebracht haben soll, hat einen neuen Tiefpunkt erreicht: Eine britische Boulevardzeitung spekuliert jetzt über die sexuelle Orientierung von Andreas L.

„Die geheimen schwulen Qualen des Killer-Piloten“, titelt der „Daily Star“ über jenen Mann, der für den Tod von 150 Menschen verantwortlich sein dürfte – und das, obwohl er nach bisherigen Informationen in einer Beziehung mit einer Frau war.

Der „Daily Star“ breitet genussvoll aus, dass Andreas L. von Kollegen als „Tomaten-Andy“ verspottet worden sein soll, weil er vor seiner Zeit im Cockpit als Flugbegleiter bei Germanwings gearbeitet hat. Beweise für diese Behauptung bleibt die Zeitung schuldig.

Zeitung behauptet Vorliebe für Drag Queens

Doch dem nicht genug: Weiters behauptet der „Daily Star“, dass der Germanwings-Copilot öfter einen Nachtclub besucht hat, in dem auch regelmäßig Drag Queens auftreten. Seine Beziehung sei angeblich „in die Brüche gegangen sein, und es wurde behauptet, dass er heimlich schwul sei“, verbreitet die Boulevardzeitung.

Dem will auch der „Mirror“ nicht nachstehen: Die Konkurrenz spekuliert, warum Andreas L. als „Tomanten-Andi“ verspottet worden sein soll – nicht wegen dem Tomatensaft in der Kabine, sondern „weil er nicht wusste, ob er ‚Obst oder Gemüse‘ war – eine Referenz an seine Sexualität“.

Keine Beweise – aber wilde Spekulationen

Beweise für diese Behauptungen haben weder „Daily Star“ noch „Mirror“ – dafür passen die Berichte wunderbar in jede Menge Klischees: Schwule Flugbegleiter, depressive Bisexuelle vor dem Coming Out, heimliche Homosexualität – all das sind die Zutaten für einen Cocktail, der die Auflagen steigert. Fakten werden nebensächlich – denn die gibt es in diesem Fall nicht.

Kein seriöses Medium hat bis jetzt nämlich über die sexuelle Orientierung von Andreas L. spekuliert oder berichtet. Und das ist auch gut so: Denn für die Aufklärung der Gründe, warum Andreas L. 149 Menschen mit in den Tod nahm, sind solche Geschichten nicht nur unwesentlich, sondern auch hinderlich. Dass britische Boulevardmedien damit Auflage machen wollen, ist verwerflich.