Vatikan sabotiert schwulen Botschafter aus Frankreich

Der Vatikan soll sich gegen den neuen französischen Botschafter beim Heiligen Stuhl ausgesprochen haben – weil er schwul ist. Das berichtet eine französische Zeitung. Das Veto soll direkt von Papst Franziskus gekommen sein, nachdem die schwulenfeindliche Lobby-Gruppe „Manif pour tous“ interveniert hat.

Bereits am 5. Jänner hat sich der französische Präsident François Hollande darauf festgelegt, dass der derzeitige Protokollchef Laurent Stefanini in den Vatikan wechselt. Seitdem wartet man in Paris auf die Bestätigung der Entscheidung durch den Kirchenstaat. Doch wie die französische Zeitung JDD berichtet, hat der Heilige Stuhl den künftigen Botschafter abgelehnt. Grund dafür: Stefanini lebt offen schwul.

„Die Entscheidung kommt direkt vom Papst“, zitiert die Zeitung einen Insider. Es habe massive Interventions-Versuche der lesben- und schwulenfeindlichen Initiative „Manif pour tous“ gegeben, so JDD weiter. Diese haben nun offenbar gefruchtet. Denn in Kirchenkreisen gab es keinen Widerstand gegen den schwulen Botschafter. Der Pariser Erzbischof, Kardinal André Vingt-Trois, billigte in einem Brief an Papst Franziskus die Entscheidung der französischen Regierung.

Für die Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und Frankreich ist diese Entscheidung nicht förderlich. Staatspräsident Hollande muss nun einen neuen Kandidaten für das Amt des Vatikan-Botschafters vorlegen. Zu den Favoriten gehört unter anderem der derzeitige Vertreter Frankreichs in Saudi-Arabien.

Dabei wäre Laurent Stefanini der perfekte Botschafter für den Vatikan gewesen: Er ist praktizierender Katholik, gilt als Experte in Religionsfragen und hat bereits von 2001 bis 2005 in der französischen Botschaft beim Heiligen Stuhl gearbeitet. Nun soll er voraussichtlich einen Botschafterposten in einem toleranten Land in Nordeuropa erhalten.

Es ist nicht das erste Mal, dass der Vatikan einen französischen Botschafter wegen seiner sexuellen Orientierung ablehnt: Im Jahr 2008 wurde Jean-Loup Kuhn-Delforge von der Kurie als Vertreter Frankreichs abgelehnt, weil er schwul ist.

Doch nicht einmal Heterosexualität schützt vor einer Ablehnung durch den Vatikan: Im Jahr 2012 lehnte der Kirchenstaat Kiril Maritschkow als bulgarischen Botschafter ab – weil er einen Roman geschrieben hatte, in dem auch eine schwule Sex-Szene vorkommt.