Bayern: Caritas schmeisst lesbische Hortleiterin raus

In Holzkirchen in Oberbayern muss eine allseits geschätzte Hortleiterin ihren Job aufgeben. Der Grund: Sie ist lesbisch und möchte ihre Freundin heiraten – und ihr Arbeitgeber ist die katholische Caritas.

„Ich werde im Juli meine Freundin heiraten. Weil dieser Schritt nicht mit der Grundordnung der katholischen Kirche vereinbar ist, muss ich die Hortleitung abgeben“, schrieb die Frau Anfang April in einem Brief an die Eltern ihrer Kinder, den die örtlichen Lokalzeitung, die „Holzkirchner Stimme“, jetzt veröffentlichte. Ob sie selbst kündigt oder gekündigt wurde, geht aus dem Brief nicht hervor. Auch will sie nicht namentlich genannt werden.

Die Eltern sind auf jeden Fall vom Verhalten der Kirche empört. „Es ist nicht schön, wenn man aufgrund einer Liebe herausgeschmissen wird“, kritisieren sie in der Zeitung die Entscheidung. Denn die Arbeit der Pädagogin gibt keinen Grund zum Tadel. „Seit sie die Hortleitung inne hat, hat sich vieles gebessert“, so eine Mutter zur „Holzkirchner Stimme“. Fachkräfte wie sie seien zudem selten. Es werde schwierig werden jemanden für die Hortleitung zu finden, fürchten die Eltern „Bei solchen Nachrichten überlege ich ernsthaft aus der Kirche auszutreten“, so eine Mutter, selbst Katholikin, verzweifelt.

Für die Kirche ist die Kündigung rechtens. Der zuständige Diözesanverband München verweist auf das kirchliche Arbeitsrecht – hier gibt es eine Ausnahme, schwule und lesbische Mitarbeiter haben hier keinen Diskriminierungsschutz. Zwar entlasse man nicht alle homosexuellen Mitarbeiter, allerdings „schließt die Grundordnung bei eingetragenen Lebensparterschaften eine Tätigkeit als Führungskraft, vor allem auch im erzieherischen Dienst, aus“, so der Diözesanverband in einer Stellungnahme.

Allerdings werden nicht nur leitende Homosexuelle in Lebenspartnerschaften von der Kirche aus dem Dienst entfernt – Wie das Portal „queer.de“ berichtet, wurde in Nordrhein-Westfalen die Putzfrau eines Kindergartens gefeuert, weil sie eine Eingetragene Lebenspartnerschaft eingegangen war. Und in Neu-Ulm musste eine lesbische Kindergärtnerin gehen, nachdem sie vom örtlichen Pfarrer gemobbt wurde.

Für Daniel Jazdzewski, Vorsitzender der Schwusos Oberbayern, ist das Verhalten empörend: „Es darf auch in der Arbeitswelt keine No-Go-Areas für Lesben und Schwule geben, die auch zu ihrem Partner stehen und mit ihm eine Lebenspartnerschaft eingehen wollen!“, ärgert er sich. Immerhin ist die Caritas in Deutschland mit 600.000 Mitarbeitern einer der größten Arbeitgeber – und das Hort, in dem die betroffene Frau arbeitet, wird vollständig aus Steuergeldern bezahlt.

„Ehe zu propagieren, Homosexualität formal zu akzeptieren, aber Lebenspartnerschaft als automatischen Kündigungsgrund zu sehen, zeugt für mich für Scheinheiligkeit!“, so Jazdzewski weiter. Unterstützung bekommt der oberbayerische Schwuso-Chef dabei vom Grünen Bundestags-Abgeordneten Volker Beck. „Die persönlichen Loyalitätspflichten von kirchlichen Mitarbeitern sind ein unverhältnismäßiger Übergriff des Arbeitgebers auf das Privat- und Familienleben der Arbeitnehmer“, unterstützt er die ehemalige Hort-Leiterin auf Facebook.

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