Nahost-Menschenrechtsindex: Lesben und Schwule in Tunesien am sichersten

Medienbeobachtungsstelle MENA erstellt erstmals einen Index, der auch LGBT-Daten miteinbezieht

Regenbogenflagge
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Über die Lage von Lesben und Schwulen im Nahen Osten gibt es viele Berichte – nun gibt es erstmals auch einen Index, der diese Tatsache in eine harte Zahl gießt: MENA, die Medienbeobachtungsstelle für den Nahen Osten und Nordafrika, hat einen Menschenrechtsindex erstellt, der alle vorhandenen Parameter zusammenfasst. Dadurch soll eine Verbesserung oder Verschlechterung der Lage in einzelnen Ländern der Region leicht und deutlich sichtbar gemacht werden.

Lage für Lesben und Schwule wurde im Menschenrechtsindex gesondert ausgewertet

Je höher der Index in einem Wert ist, umso schlechter ist die Menschenrechtslage in diesem Punkt. Als Vergleichswert wurde Österreich auch in den Index aufgenommen. Neben der Einschränkungen der persönlichen Freiheiten sowie der Pressefreiheit, Frauendiskriminierung, Korruption und Christenverfolgung wurde auch die Verfolgung von Lesben, Schwulen und Bisexuellen als Faktor in dem Index miteinbezogen – und auch extra ausgewertet.

Österreich erreicht bei diesem Wert – als Vergleichsland – elf Punkte. In der Region schafft das sonst nur Israel. Dann folgt eine große Lücke. Die nächsten „homofreundlichsten“ Staaten im Nahen Osten und Norden Afrikas sind Tunesien mit einem Index von 49 und der Libanon mit 54. Je 63 Punkte – und damit im Mittelfeld der „Homo-Verfolger“ der Region – haben die Türkei, der Oman, Marokko und Bahrain.

Schlusslichter sind der Iran und die Vereinigten Arabischen Emirate

Ägypten, wo sich die Lage vor allem für schwule Männer in den letzten Monaten verschlechtert hat, kommt im MENA-Index bei diesem Wert auf 73 Punkte. Auf je 83 Punkte kommen Syrien, der Irak und Kuwait. Auf Werte jenseits der 90 Punkte beim Parameter „Homosexuellenverfolgung“ kommen Fußball-WM-Ausrichter Katar und Jordanien mit je 91 Punkten oder Libyen und Algerien mit je 94 Punkten.

Mit 98 von 100 möglichen Punkten wird die Lage von Lesben und Schwulen im Jemen und in Saudi-Arabien bewertet. Trauriges Schlusslicht mit 99 Punkten sind der Iran und die Vereinigten Arabischen Emirate.

Damit unterscheiden sich die Werte für die Homo-Menschenrechtslage nur teilweise vom Gesamtergebnis: Die schlechtesten Plätze im MENA-Menschenrechtsindex belegen Syrien mit einem Durchschnitt von 94 Punkten, der Iran mit 91 Punkten, der Jemen mit 90 Punkten, der Irak mit 87 Punkten und Libyen mit 82 Punkten. Das Land in der Region mit den besten Werten ist Israel, das einen Indexwert von 30 Punkten aufweist.