Nordirland: ‚Homos missbrauchen eher Kinder‘ – Gesundheitsminister tritt zurück

In Nordirland musste der umstrittene Gesundheitsminister Jim Wells zurücktreten. Er ist offen homophob – und auch bereit, seine Einstellung mit Steuergeld zu verteidigen. Nun kostete sie ihm die Karriere: Nachdem er im Wahlkampf erklärte, Homosexuelle würden Kinder „eher missbrauchen“, nimmt Wells seinen Hut.

Am Donnerstag hat Wells, der für die radikalprotestantischen Democratic Unionist Party (DUP) kandidiert, bei einer Wahlveranstaltung erklärt: „Man zieht kein Kind in einer homosexuellen Beziehung auf. Hier wird ein Kind eher missbraucht und vernachlässigt.“ Das ist mittlerweile nicht einmal mehr in Nordirland mehrheitsfähig. Das Publikum äußerte sein Missfallen für diese Aussage lautstark.

Zwei Tage später zog Jim Wells im Wahlkampf von Haus zu Haus. Dabei traf er ein lesbisches Paar – und sagte ihnen vor versammelter Mannschaft, dass er ihren „Lebensstil“ nicht gutheiße. Das Paar hat deshalb mittlerweile Anzeige bei der Polizei erstattet.

Später hat sich der 58-Jährige für beide Aussagen entschuldigt – zumindest teilweise. „Ich habe nicht die homosexuelle Community attackiert, sondern ihre Kampagne für die Ehe-Öffnung, welche zum Ziel hat, die traditionelle Ehe zu beenden“, erklärte Wells. Im Gegensatz zu den anderen Landesteilen des Vereinigten Königreichs können Lesben und Schwule in Nordirland nicht heiraten.

Er begründete die Aussagen mit dem Stress, den er durch den Gesundheitszustand seiner Frau hatte. Er müsse sie nach zwei Schlaganfällen und einer Herzoperation pflegen, erklärte der Politiker. Damit begründete er auch seinen Rücktritt.

Wobei Rücktritt in diesem Fall ein dehnbarer Begriff ist: Zwar legt Jim Wells ab 11. Mai sein Amt als nordirischer Gesundheitsminister zurück, er bleibt allerdings (chancenloser) Kandidat der DUP für seinen Wahlkreis bei den Wahlen für das Londoner Unterhaus und Abgeordneter im Parlament von Nordirland.

Und es ist nicht das erste Mal, dass Wells durch Homophobie auffällt. So hat er das Blutspende-Verbot für schwule Männer, das in England, Wales und Schottland gelockert wurde, bis zuletzt verteidigt – auch mit einem aufwändigen Gerichtsprozess, für den der Steuerzahler aufkommen darf.

In seiner Partei, der größten in Nordirland, ist er damit nicht alleine. Die DUP lehnt die Ehe-Öffnung in Nordirland ab, immer wieder hab es lesben- und schwulenfeindliche Aussprüche einzelner Mitglieder. So hat im Jahr 2008 Iris Robinson, die damalige First Lady Nordirlands, in einem Interview Schwule mit Mördern verglichen.