Fäkalien im Bart: Das sagt die Wissenschaft

Es war eine Meldung, die bei vielen Männern für Unbehagen sorgte: In Bärten sollen sich Fäkalkeime befinden, die Gesichtsbehaarung sei oft unhygienischer als ein Toilettensitz, schrieben internationale Medien. Doch nun gibt der „Guardian“ Entwarnung.

Denn den ersten Haken hat die Geschichte schon bei der Recherche: Es handelt sich nämlich nicht um das Ergebnis einer Studie, sondern um das Experiment eines Fernsehsenders in New Mexiko: Ein Reporter nahm bakterielle Proben aus den Bärten einiger – zufällig ausgewählter – Passanten und ließ diese analysieren.

Dann sagte der zuständige Mikrobiologe, dass einige der dort gefundenen Bakterien auch im Darm heimisch wären. Daraus wurden dann die großen Schlagzeilen – bis hin dazu, dass sich in Männerbärten Reste von Fäkalien befinden würden.

Das stimmt so allerdings nicht – denn nur, weil sich die Bakterien auch in Fäkalien befinden, heißt das noch lange nicht, dass sie selbst auch Fäkalien sind. Außerdem ist die menschliche Haut ein riesengroßer Lebensraum für alle möglichen Bakterien. So gesehen ist alles im grünen Bereich.

Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen über die Hygiene in Bärten gibt es übrigens nicht. Der „Guardian“ hat bei Recherchen allerdings eine Studie gefunden, nach der bärtige Ärzte mehr Bakterien verbreiten als glattrasierte – doch hier wurden pro Gruppe nur zehn Personen untersucht. Und auch bei den bartlosen Ärzten wurden so viele Bakterien festgestellt, dass der Sinn einer Gesichtsmaske für beide Gruppen bewiesen wurde.

Eine andere Studie hingegen zeigt, dass Bartträger sich selbst vor Bakterien schützen. So hat der Bart die Wahrscheinlichkeit, dass der Träger antibiotika-resistente Bakterien oder Staphylokokken auf seiner Haut trägt, deutlich reduziert.

Womit eines bewiesen wäre: In den Meldungen über Fäkalien im Bart steckt mehr Mist als in jedem Bart.