Homo-Paare auf Wiener Ampeln: Die Welt applaudiert, die FPÖ klagt

Ob Life Ball, Song Contest oder Regenbogenparade: Wien schmückt sich gern mit dem Titel „Regenbogenhauptstadt“. Nun sollen hetero- und homosexuelle Ampelmännchen-Paare für mehr Toleranz sorgen.

An 49 ausgewählten Standorten sollen insgesamt 120 Ampelmännchen-Paare für Aufmerksamkeit sorgen. Dabei gibt es drei verschiedene Sujet: Ein heterosexuelles Paar, ein schwules Paar und ein lesbisches Paar.

Die ersten Ampelpärchen sind schon auf der Ringstraße beim Schottentor im Einsatz zu sehen. Die restlichen Orte werden in den kommenden Tagen mit diesen neuen Symbolen ausgestattet, erklärt Sonja Vicht von der Magistratsabteilung 33.

Doch das Liebesleben der Ampelfiguren hat ein Ablaufdatum: Ende Juni werden die Symbole wieder auf die Standard-Ampelmännchen zurückgewechselt.

Bis dahin sollen die Ampelpärchen nicht nur für Toleranz und Weltoffenheit sorgen, sondern auch für mehr Aufmerksamkeit im Verkehr. So wurde an den Standorten zuvor gezählt, wie oft Fußgänger die rote Ampel ignorieren – nun wird erhoben, on die Pärchen diese Zahl reduzieren.

Kritik an den (homosexuellen) Ampelpaaren kommt von den österreichischen Boulevard-Zeitungen und der FPÖ. „Diese Aktion der Verkehrsstadträtin ist grüne Klientelpolitik und Steuergeldverschwendung in Reinkultur“, wettert Toni Mahdalik, Verkehrssprecher der FPÖ Wien. Weil die Ampelfiguren „gegen die Bestimmungen der Straßenverkehrsordnung“ verstoßen würden, erstatteten die Freiheitlichen sogar Strafanzeige gegen Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou von den Grünen.

Doch die zuständige MA 33 sieht der Anzeige gelassen entgegen: „Die neuen Ampeln stehen in keinerlei Konflikt mit der StVO. Dort sind lediglich die Farben – Rot, Grün, Gelb – geregelt, jedoch nicht die Form“, so Vicht. Eine Meinung, die auch der ÖAMTC teilt.

In der „Kronen Zeitung“ wird die Aktion als „bunter Spaß“ bezeichnet, und die Kosten von 63.000 Euro werden thematisiert. Dem entsprechend reagieren die User der Boulevardzeitung im Kommentarteil der Online-Ausgabe. „Ich verlange eine Stellungnahme von Herrn Bürgermeister“, schreibt User „Methusalem“, „Claudia R.“ meint, „für Familien, Alleinerziehende oder Spielplätze fehlt das Geld aber für sinnlose Dinge scheint das Geld da zu sein wie Sand am Meer“.

In wie weit diese Postings von politischen Gruppen gesteuert werden, ist unklar. User „ankona“ zitiert mit „Für so einen Unfug mit unseren Steuergeldern kann man nur sagen Wahltag ist Zahltag“ allerdings einen ehemaligen Wahlslogan der FPÖ.

International stößt die Idee aber auf Applaus: Die „Washington Post“ berichtet in ihrem Blog wohlwollend, die Ampeln wären nun „gay-themed“. Auch andere internationale Medien, von Brasilien bis in die Niederlande, berichten über die außergewöhnliche Idee – im Gegensatz zu Österreichs größtem Boulevardblatt überwiegend positiv.

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