Ehe-Öffnung in Irland: Aufregung im Vatikan

Dass sich die Iren in einer Volksabstimmung dafür ausgesprochen haben, die Ehe für Lesben und Schwule zu öffnen, schlägt Wellen bis in den Vatikan.

Der Bischof von Mazara del Vallo in Sizilien, Domenico Mogavero, fordert in der Tageszeitung „La Stampa“ einen „realistischen“ Umgang der Kirche mit dem Thema: Hunderttausende gleichgeschlechtliche Partnerschaften, die es in Italien gebe, könnten nicht ignoriert werden, so der Bischof. „Man kann nicht den Kopf in den Sand stecken und eine verbreitete gesellschaftliche Realität nicht juristisch anerkennen“, erklärt Mogavero.

„Es ist nötig, die kirchlichen Vorurteile zu überwinden, die Homosexualität auf eine Perversion und eine öffentliche Gefahr reduzieren“, so der Geistliche. Die Bischöfe sollten Lesben und Schwule in „ihrer konkreten Situation begleiten“, statt sie zu verurteilen und auszuschließen, so Mogavero weiter. Dass eines der katholischsten Länder Europas für die Ehe-Öffnung stimme, sei ein „Weckruf“ für Italien.

Und der scheint angekommen zu sein: Wie die Tageszeitung „Die Presse“ berichtet, wurde nach Bekanntwerden des irischen Ergebnisses im Vatikan hinter verschlossenen Türen der Rat der Bischofssynode einberufen. Diese soll die Familiensynode vorbereiten, bei der Bischöfe im Oktober auch über das Verhältnis der Kirche zu Homosexualität diskutieren sollen.

Gestern stand außerdem an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom ein Treffen von Theologen und Reinhard Marx, dem Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz, auf dem Programm. Auch dabei soll der Umgang der Kirche mit Homosexuellen diskutiert worden sein.