„Homosexualität amoralisch und Gendefekt“: ÖVP nimmt Marcus Franz auf

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Es ist ein harter Schlag für die liberalen Kräfte innerhalb der Österreichischen Volkspartei: Marcus Franz, Rechtsaußen des Team Stronach, und sein Parteikollege Georg Vetter wechseln zur ÖVP. Franz war in der Vergangenheit vor allem mit seinen konservativen Ansichten zum Thema Homosexualität und der Verteidigung des Po-Grapschen aufgefallen.

ÖVP Wien jubelt über Neuzugang

Bei einer Pressekonferenz stellte ÖVP-Klubobmann Reinhold Lopatka die beiden neuen Fraktionsmitglieder vor. Er bezeichnete das Duo als „parteiunabhängig“, genauso wie den parteifreien Wissenschaftssprecher Karlheinz Töchterle.

Einen anderen Blickwinkel hat naturgemäß das Team Stronach: „Wir sind angetreten, um das System zu ändern, jetzt agieren die beiden als Steigbügelhalter des bestehenden Systems, das müssen sie vor sich selbst verantworten!“, so Klubobfrau Waltraud Dietrich in einer ersten Reaktion.

Freude hingegen gibt es bei der Wiener ÖVP. Im Hinblick auf die Landtagswahl im Oktober 2015 zeige der Wechsel von Franz und Vetter in den VP-Klub „einen Schulterschluss des bürgerlichen Wien als einzige wirkliche Alternative zur rot-grünen Stadtregierung“, so der Landesparteiobmann der ÖVP Wien, Manfred Juraczka.

Marcus Franz findet Homosexualität „amoralisch“

Was das genau bedeutet, zeigen die Aussagen von Neuzugang Marcus Franz, der sich selbst als „neokonservativ“ sieht. Er erklärte im November 2013 in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin „profil“ seine Ansichten zu Homosexualität: Diese sei „amoralisch“, wenn er strenge Moralmaßstäbe anlege – „wiewohl es in den Genen steckt“. Denn Homosexualität sei, so Franz, „eine genetische Anomalie“ – wäre es „normal“, so der Neo-ÖVP-Abgeordnete, „wäre die Welt schon ausgestorben“.

Auch über das Thema Ehe-Öffnung äußerte sich Marcus Franz ganz im Sinn der konservativen Kräfte seiner neuen politischen Heimat. „Es kann eine Partnerschaft geben, das ist okay, aber eine Ehe kann nicht sein“, so der Politiker im „profil“-Interview. Denn nur in einer Ehe gebe es die Möglichkeit der Fortpflanzung.

Einen kurzen Anflug von Liberalität hatte Marcus Franz allerdings beim Thema Adoption durch gleichgeschlechtliche Paare. So erklärt er in dem Interview, es gebe „schlechte normale Eltern“, da sei es „möglicherweise besser, es wächst ein Kind bei Homosexuellen auf als in zerrütteten Verhältnissen“.

Franz möchte Regenbogenparade nicht bei normalen Bürgern

Weiters forderte Marcus Franz, die Regenbogenparade möge nicht mehr in der Innenstadt stattfinden, wo sie Bürger störe. Diese sei eine „undemokratische Bevorzugung einer Minderheit auf Kosten der Mehrheit“. Denn diese wolle „die Ringstraße haben, um Auto zu fahren“: „Demonstrationen sollen stattfinden, wo es niemandem wehtut, und in Zonen verlagert werden, wo normale Bürger nicht sind“, so Franz damals. Er würde die Veranstaltung lieber auf der Donauinsel oder dem Wiener Prater sehen.

Die Ansichten von Marcus Franz haben damals auch innerhalb des Team Stronach für Verstörung gesorgt. Renate Heiser-Fischer, zu dieser Zeit Landesobfrau des Team Stronach in Niederösterreich, distanzierte sich: „Das sind nicht unsere Werte“, macht sie klar. Das Team Stronach bekenne sich zu einer offenen und toleranten Gesellschaft, „deren Umgang mit der sexuellen Ausrichtung anderer von Respekt getragen wird.“

Harsche Kritik von den Grünen

Kritik an der Aufnahme von Marcus Franz in die Reihen des ÖVP-Parlamentsklubs kommen von der Grünen Parteichefin Eva Glawischnig: „Es stellt sich die Frage, warum Marcus Franz nicht gleich zur ‚Tea Party‘ gegangen ist. Ade, neue Liberalität bei der ÖVP, Herr Mitterlehner“, kommentiert sie den Wechsel.

Und auch die Wiener SPÖ kommentiert den Wechsel von Marcus Franz zum ÖVP-Klub mit Spott: „Mit Franz erhält die Wiener ÖVP das liberal-bürgerliche Aushängeschild, das zu ihr passt. Wir gratulieren Manfred Juraczka zum neuen ‚Familienmitglied‘ und wünschen ihm mit Marcus Franz noch viel Spaß!“, lässt Landesparteisekretär Georg Niedermühlbichler seinem Mitbewerber ausrichten.