Zwei Drittel der Deutschen für Gleichstellung von Lesben und Schwulen

Immer mehr Deutsche sprechen sich für eine Gleichstellung von Lesben und Schwulen und eine Öffnung der Ehe aus. Umfragen zufolge wird diese von zwei Drittel der Bevölkerung unterstützt.

In der aktuellen Ausgabe des Hamburger Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ meint unter anderem der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Heinrich Bedford-Strohm, die Bedeutung der Ehe zwischen Mann und Frau werde durch eine Gleichstellung „kein bisschen geschmälert“.

Auch andere Prominente sprechen sich für eine Gleichstellung aus. Dazu gehören die Moderatoren Frank Plasberg, Anne Will und Maybrit Illner, Künstler wie der Regisseur Tom Tykwer, der Schauspieler Charlie Hübner und Tocotronic-Sänger Dirk von Lotzow, Auch zahlreiche christliche Gelehrte und Muslime drücken ihre Unterstützung für die Gleichstellung von Lesben und Schwulen aus.

Auch die Mehrheit der Bevölkerung scheint diese Meinung zu teilen. Einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts TNS/Emnid zufolge, die im Nachrichtenmagazin „Focus“ erschien, sind 64 Prozent der Deutschen dafür, homosexuelle Partnerschaften rechtlich in allen Punkten mit der Ehe gleichzustellen. Zu ähnlichen Ergebnissen kommt eine repräsentative Umfrage, die im „Spiegel“ erschien. Zwei von drei der Befragten stimmten der Aussage zu, dass sich die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel von der CDU dafür einsetzen sollte, eingetragene Lebenspartnerschaften in Deutschland rechtlich in allen Punkten mit der Ehe gleichzustellen.

Eine noch größere Mehrheit, nämlich drei von vier der Befragten, ist davon überzeugt, dass es eingetragenen Lebenspartnern erlaubt sein sollte, gemeinsam ein fremdes Kind zu adoptieren.

Der deutsche Justizminister Heiko Maas (SPD) kritisierte eine Blockadehaltung des Koalitionspartners CDU/CSU in der Frage: !Die Union stellt gerade fest, dass die Menschen in Deutschland längst weiter sind als ihre eigene Beschlusslage.“

Und das wissen CDU und CSU seit spätestens zwei Jahren: Denn eine Meinungsforschung, die das Kanzleramt im März 2013 in Auftrag gegeben hatte, kam zu ähnlichen Ergebnissen wie die „Spiegel“-Umfrage. Sechs Monate später hatte sich die Kanzlerin im Bundestags-Wahlkampf allerdings gegen eine vollständige Gleichstellung ausgesprochen.

Und das, obwohl die Gleichstellung auch von einer Mehrheit der Wähler ihrer eigenen Partei unterstützt wird. 63 Prozent der CDU/CSU-Wähler sind, so die TNS/Emnid-Umfrage, dafür.