Auch Stenzel bei Demo gegen Parade?

Gleichzeitig mit der Regenbogenparade, Österreichs größter Veranstaltung für die Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgendern, fand am Stephansplatz auch dieses Jahr der „Marsch für die Familie“ statt, eine Veranstaltung ultrarechter katholischer Gruppen.

Eine Gegendemonstration zum „Marsch für die Familie“ wurde aus Sicherheitsgründen untersagt, die Aktivisten aus der antifaschistischen Szene trafen sich trotzdem vor dem Stephansplatz – und wurden von einem massivem Polizeiaufgebot von den Teilnehmern des genehmigten konservativen Aufmarsches abgeschirmt.

Zunächst sammelten sich rund 250 radikalkatholische Aktivisten in einem abgesperrten Bereich im Schatten des Stephansdoms, um für ihre Anliegen zu demonstrieren. Hauptgegner waren dabei allerdings nicht die linken Aktivisten, sondern offenbar die eigene Organisation.

Unter den Teilnehmern waren Medienberichten zufolge auch zwei prominente ÖVP-Amtsträger: Die Bezirksvorsteherin des ersten Bezirkes, Ursula Stenzel und der frisch zur ÖVP gewechselte Nationalratsabgeordnete Marcus Franz, der schon in der Vergangenheit mit homophoben Aussagen aufgefallen ist. Auch der ehemalige Pegida-Sprecher Georg Immanuel Nagel und die FPÖ-Abgeordnete Carmen Schimanek gehören zu den Unterstützern des radikalkatholischen Marsches.

Mangels einheimischer Aktivisten sprach ein slowakischer Aktivist die Begrüssungsworte. Inhaltlich gab es dabei wenig überraschendes: Die Familie sei in Gefahr, Gender-Mainstreaming und die Öffnung der Ehe würden die Gesellschaft zerstören. Danach bat einer der Organisatoren die Gruppe, ein zuvor offenbar vergessenes Transparent aus dem Wagen zu holen.

Kurz nach 16.00 Uhr setzte sich der „Marsch für die Familie“ unter massiven, aber friedlichen Protestchören und Buhrufen der Gegendemonstranten in Bewegung. Im Zuge der Veranstaltung setzte die Polizei vereinzelt Pfefferspray gegen jene Demonstranten ein, die gegen den „Marsch für die Familie“ protestierten. Zwei Personen wurden vorübergehend festgenommen, eine dritte befindet sich in Haft.

Für die Österreichische Hochschülerschaft (ÖH) handelte es sich hierbei um „willkürliche Festnahmen“. „Wieder einmal räumte die Polizei Rechtsextremen die Straße frei, kesselte und verletzte Antifaschisten wie Passanten und nahm dabei auch wahllos Personen fest“, so die ÖH in einer Aussendung. Demnach soll die Polizei auch Pfefferspray gegen „bloß umherstehende oder sich vom Geschehen wegbewegende Personen“ eingesetzt haben.

Unter den Schildern der Gegendemonstranten war übrigens auch eines, auf dem „Kinder brauchen Liebe, keinen Sex“ zu lesen war. Offenbar handelte es sich dabei um einen durchaus selbstkritischen Hinweis an die Pater in den eigenen Reihen.