Wien: Jeder zweite Homosexuelle im Job ungeoutet

Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender in Wien haben besonders oft Angst davor, sich am Arbeitsplatz zu orten. Das geht aus einer aktuellen Studie der Stadt Wien hervor.

Fast die Hälfte der Teilnehmer – genau 48 Prozent – gab an, am Arbeitsplatz nicht vollständig geoutet zu sein. Nicht einmal jeder Dritte hat sein Umfeld in Schule und Ausbildung über seine sexuelle Orientierung informiert. Nur acht Prozent sind bei allen Kollegen geoutet, zehn Prozent bei allen Vorgesetzten. Es gibt dabei keine Unterschiede zwischen schwulen Männern und lesbischen Frauen.

Die Angst, sich am Arbeitsplatz zu outen, ist nicht ganz unberechtigt: 14 Prozent der Befragten gaben an, am Arbeitsplatz schon einmal diskriminiert worden zu sein. Außerdem befürchteten viele Befragte negative Konsequenzen für ihre Karriere.

Doch am Arbeitsplatz ungeoutet zu sein, hat nicht nur persönliche Konsequenzen, sondern auch dienstrechtliche Nachteile: Denn wenn der Dienstgeber nicht wüsste, dass man sich in einer Partnerschaft befinde, könne man etwa auch keinen Anspruch auf Pflegeurlaub geltend machen, so die für Antidiskriminierung zuständige Stadträtin Sandra Frauenberger.

Frauenberger sieht auch in der Arbeitswelt Handlungsbedarf – und fängt im Bereich der Stadt Wien damit an: Als erster Schritt soll für die Gemeindebediensteten der Stadt Wien ein eigenes Mitarbeiter-Netzwerk gegründet werden, in dem sich Angestellte mit queeren Lebensmodellen organisieren können. Schon jetzt sieht die Lehrlingsausbildung der Stadt einen verpflichtenden Diversity-Tag vor.

Für die Studie haben 3.161 Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender online einen Fragebogen ausgefüllt, den die Wiener Antidiskriminierungsstelle für gleichgeschlechtliche und transgender Lebensweisen (WASt) ausgearbeitet hat und der vom Institut für Höhere Studien (IHS) ausgewertet wurde. Weitere Ergebnisse der Studie werden im Herbst erwartet.