Deutschland: Jeden Tag fünf HIV-Neudiagnosen unter Schwulen und Bisexuellen

In Deutschland stieg die Zahl der neu entdeckten HIV-Infektionen im Vorjahr um sieben Prozent an. Im Jahr 2014 wurden 3.525 Fälle gemeldet, das sind um 237 mehr als im Jahr zuvor. Jene Gruppe mit den meisten neu entdeckten Infektionen sind nach wie vor Männer, die Sex mit Männern haben.

Das geht aus der aktuellen Ausgabe des „Epidemiologischen Bulletin“ hervor, das vom zuständigen Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin herausgegeben wird. Von den Neudiagnosen entfielen 68 Prozent auf Männer, die Sex mit Männern (MSM) haben. In Zahlen heißt das, bei 1.904 Schwulen oder Bisexuellen in Deutschland wurde im letzten Jahr der HI-Virus neu diagnostiziert. Das ist ein Anstieg von neun Prozent oder 152 Personen.

Und auch Heterosexuelle infizieren sich wieder häufiger mit HIV: Hier wurde sogar ein Plus von 30 Prozent gemeldet. So steckten sich 780 Menschen bei heterosexuellem Sex an, 182 mehr als im Vorjahr. Diesen Anstieg führt das RKI vor allem auf steigende Einwanderungs- bzw. Flüchtlingszahlen aus Ländern mit einer hohen Quote an HIV-Positiven zurück.

In 111 Fällen steckten sich die Betroffenen durch intravenösen Drogenkonsum mit HIV an, in 25 Fällen gab es eine Übertragung von der Mutter zum Kind während der Geburt.

Bei gut einem Viertel der neu diagnostizierten HIV-Infektionen fand die Infektion im Ausland statt. Hier ist die Zahl der MSM mit acht Prozent aber bedeutend geringer. Von den MSM mit deutscher Herkunft steckten sich sogar nur zwei Prozent im Ausland an – was heißt, dass dieser Kampf offenbar in Deutschland selbst gewonnen werden muss, um die Zahl der Neuinfektionen zu stoppen.

In absoluten Zahlen gab es die meisten neuen Fälle im bevölkerungsreichsten Bundesland, Nordrhein-Westfalen. Dort wurden 768 Erstdiagnosen mit HIV gemeldet, gefolgt von Bayern mit 596 Fällen und Berlin mit 443 Neudiagnosen. Auf die Anzahl der Einwohner heruntergebrochen gab es die meisten neu entdeckten HIV-Infektionen in Berlin, Hamburg und Bremen.

Die Zahlen der neu entdeckten Infektionen sagen übrigens nicht, wie viele Personen sich in einem Jahr wirklich mit HIV infiziert haben. „Ein Teil des Anstiegs der HIV-Neudiagnosen mag durch vermehrte Recherchen und vollständiger ausgefüllte Meldebögen erklärbar sein. Vermehrte Testung könnte ebenso eine Erklärung sein“, so das RKI im Bericht. Seit Jahren rufen die Aids-Hilfen zu vermehrten HIV-Tests in der schwulen Community auf, um die Weiterverbreitung des HIV durch rechtzeitige Behandlung einzuschränken.