[Video] Bombenanschlag auf Schwulenclub in der Ukraine

In Odessa am Schwarzen Meer ist es in der Nacht auf Montag zu einem Anschlag auf einen beliebten Club für Schwule und Lesben gekommen. Nach den Tätern wird gefahndet – zunächst wurden Rechtsradikale verdächtigt, die in der Ukraine immer stärker werden.

Ermittlungen der Polizei zufolge explodierte im Inneren des Clubs „Libertin“ eine Handgranate. Es hielten sich nur mehr wenige Gäste im Inneren des Clubs auf, sie wurden nicht verletzt. Ein 21-jähriger Security erlitt durch den Anschlag allerdings Verletzungen am Bein. Diese sind aber nicht lebensgefährlich, er wird in einem Krankenhaus der südukrainischen Hafenstadt behandelt.

Auch die Beschädigungen am Club halten sich in Grenzen: So wurden vor allem die Eingangstür und ein Schild in Mitleidenschaft gezogen. Auf Facebook gaben die Betreiber des „Libertin“ an, ab Mittwoch wieder unter verschärften Sicherheitsvorkehrungen wieder aufzusperren.

Über die Täter herrscht Unklarheit: Einige Zeugen möchten vier Männer gesehen haben, die aus einem Auto etwas in den Club warten. Andere wiederum sahen zwei Männer, die sich unauffällig im Eingangsbereich verhielten.

Am Gehsteig fanden die Beamten eine Aufschrift „Familienwerte zuerst – Rechter Sektor“. Diese rechtsradikale und offen homophobe Gruppierung findet in der Ukraine derzeit regen Zulauf. Die Beteiligung an dem Anschlag im „Libertin“ hat sie aber zurückgewiesen und von einer gezielten Diskreditierung des „Rechten Sektors“ gesprochen.

Es ist nicht das erste Mal, dass Lesben und Schwule in der Ukraine das Opfer gewalttätiger Angriffe werden: Letzten Juli hatten Nationalisten zwei Tage hintereinander in einem schwulen Club in der Hauptstadt Kiew überfallen. Im Oktober gab es einen Brandanschlag auf ein Kino in der Hauptstadt, das gerade eine schwul-lesbische Filmreihe zeigte. In Odessa haben im November Neonazis das „Drag Queen Festival“ überfallen, gegen das sie schon im Jahr zuvor protestiert hatten. Auch rund um die Kiew Pride gibt es jedes Jahr gewalttätige Ausschreitungen zwischen Rechtsradikalen und der Polizei.