Freistaat Bayern subventioniert Broschüre von Homo-Hassern

In Bayern sorgt eine homophobe Zeitungsbeilage der römisch-katholischen Kirche für Aufregung – denn sie wurde von der CSU-Regierung des Freistaates mit Steuergeldern mitfinanziert. Nun fordert die Bayern-SPD Aufklärung.

Einige Leser der „Augsburger Allgemeinen“ und der „Allgäuer Zeitung“ trauten am Wochenende ihren Augen nicht. Der Zeitung lag ein 16-seitiges Magazin namens „Familien bunt“ bei, herausgegeben vom Familienbund der Katholiken im Bistum Augsburg, mitfinanziert vom Bayerischen Staatsministerium für Arbeit, Familie, Soziales und Integration. Darin enthalten: Ein Beitrag des französischen Philosophen Bertrand Vergely, der in seiner Heimat Teil der Anti-Homo-Bewegung „Manif pour tous“ ist.

In seinem Beitrag mit dem Titel „Diktatur durch Verwirrung“ polemisiert Vergely gegen die Gleichbehandlung von schwulen und lesbischen Paaren. Homosexualität entspreche nicht „dem Wesen des Menschen“, so der französische Philosoph.

Linus Förster, Augsburger Landtagsabgeordneter der Bayern-SPD, ist über die „fundamentalistischen Positionierungen“ des Artikels entsetzt. „Der Familienbund der Katholiken hat in dieser Beilage ein regelrechtes Manifest gegen die sogenannte Homo-Ehe formuliert“, schüttelt der Sozialdemokrat den Kopf. Und mit dieser Meinung ist er nicht alleine: Dutzende empörte Bürger riefen ihn in seinem Abgeordnetenbüro an.

Den Inhalt des Artikels von Bertrand Vergely akzeptiert Förster zähneknirschend „im Sinne der Meinungsvielfalt“ – „aber was mich wirklich entsetzen würde, wenn eine solche Positionierung vom Bayerischen Staatsministerium für Arbeit, Familie, Soziales und Integration gefördert wurde“. Er hat daher eine schriftliche Anfrage an die Regierung gestellt, die im Rahmen eines Dringlichkeitsantrages gestern behandelt wurde. Linus Förster wollte wissen, ob die redaktionellen Inhalte vorher bekannt waren und welche Intention die Staatsregierung mit der Förderung verfolgte. Zudem möchte Förster erfahren, ob Bayern auch auch Publikationen von Schwulen- und Lesbengruppen für eine Gegenpositionierung entsprechend fördert.

Die CSU versuchte bei der Debatte im Bayerischen Landtag, den Inhalt der Beilage zu relativieren. So meinte der Abgeordnete Joachim Unterländer, dass er persönlich diese Positionen nicht teile. Die Artikel seien „vom Stil her aber Geschmackssache“.

Als ihn Förster daran erinnerte, dass zwei Autoren der Beilage bereits bei Pegida publiziert hätten und der Text gegen Homosexualität „an der Grenze zur Volksverhetzung“ sei, meinte Unterländer, die Steuergelder seien ja nicht direkt in die Beilage geflossen: Der Familienbund der Katholiken im Bistum Augsburg erhalte pro Jahr 19.000 Euro vom Freistaat. Damit solle „Vernetzungs- und Öffentlichkeitsarbeit“ finanziert werden, diese sei aber nicht an bestimmte Publikationen gebunden. „Inhaltliche Ausreißer“ wie dieser Artikel seien hinzunehmen, so der CSU-Abgeordnete.

Das ging den anderen Fraktionen zu weit: Selbst die konservativen „Freien Wähler“ protestierten gegen diese Darstellung. Deren Abgeordnete Eva Gottstein, ehemals Lehrerin an einer katholischen Schule, bezeichnete die Publikation als „unterstes Gedankengut, das im Widerspruch zur katholischen Lehre“ stehe. Und die Grüne Abgeordnete Claudia Stamm machte klar: Man darf Homophobie nicht direkt oder indirekt mit Steuergeld fördern.

Die Konsequenzen für den Familienbund der Katholiken im Bistum Augsburg halten sich auf jeden Fall in Grenzen: Der Freistaat will den Bund weiter finanzieren. Staatssekretär Joachim Hintersberger betonte, er wolle keine „Zensur“, werde mit dem Familienbund allerdings „ein Gespräch“ führen.