Schwedische Rechtspopulisten machen eigene Schwulenparade

In Stockholm zieht zur Stunde der „Pride Järva“ durch die Stadt. Doch was klingt, wie eine Veranstaltung im Umfeld der großen Stockholm Pride am Samstag, ist in Wirklichkeit eine Provokation von Rechtspopulisten.

Denn der „Pride Järva“ zieht unter anderem durch die Stadtteile Tensta und Husby. Beide Stadtviertel haben einen hohen Anteil an muslimischen Migranten, in Hurby gab es vor zwei Jahren massive Unruhen. Dass diese vom Veranstaltungsprogramm – unter anderem einem „Kiss-In“ – größtenteils begeistert sein werden, darf bezweifelt werden.

Und genau das ist auch der Zweck dieser Veranstaltung. Organisiert wird sie von Jan Sjunnesson, dem frühere Chefredakteur von „Samtiden“, der Zeitung der rechtspopulistischen „Schwedendemokraten“. Diese sind eigentlich gegen die Rechte sexueller Minderheiten: So lehnen sie sowohl die Ehe für alle als auch die Möglichkeit einer Adoption für gleichgeschlechtliche Paare ab. Auch finden sich bei der Stockholm Pride einer aktuellen Untersuchung zufolge kaum Wähler der Schwedendemokraten.

Mit einem Lesben- und Schwulenumzug durch die muslimischen Viertel Stockholms könnten die Nationalisten aber eine Minderheit gegen eine andere ausspielen, so das Kalkül der Schwedendemokraten.

Das kritisiert die größte Lesben- und Schwulenorganisation Schwedens, RFSL. In einer gemeinsamen Erklärung von RFSL und der Stockholm Pride heißt es, Sjunnesson sei als Person, die Hass auf Muslime verbreite, bekannt. Die Pride-Bewegung richte sich hingegen gegen Unterdrückung und schütze ihre schwächsten Mitglieder. Für „rassistische Kräfte“ sei deshalb kein Platz.

Dem entsprechend könnte die Rechnung des Rechtspopulisten auch nicht aufgehen: Mehrere Lesben- und Schwulenaktivisten aus den beiden Stadtteilen haben angekündigt, den Rechtspopulisten nicht das Feld überlassen zu wollen. Sie haben eine Gegenveranstaltung, ein antirassistisches Picknick, geplant. Dafür haben sich auf Facebook bereits mehr Menschen angemeldet als für den durchschaubaren „Pride Järva“ – bei diesem wollen nur etwa 250 Menschen mitmarschieren.