Messerattacke auf Jerusalem Pride: 17-Jährige schwer verletzt

Eine Messerattacke gab es trotz massiver Sicherheitsvorkehrungen bei der Jerusalem Pride: Ein ultraorthodoxer Jude hat sechs Menschen wahllos niedergestochen. Bereits vor zehn Jahren hatte er einen ähnlichen Angriff verübt – erst vor drei Wochen war er vorzeitig aus der Haft entlassen worden.

Die Verletzten wurden in drei Krankenhäuser gebracht. Eine 17-Jährige wurde bei dem Angriff schwer verletzt, zwei Männer erlitten mittelstarke Stichverletzungen, so die lokalen Rettungskräfte. Zwei Männer und eine Frau wurden bei dem Angriff leicht verletzt.

„Ich sah einen Ultraorthodoxen, wie er auf jeden, der ihm im Weg war, einstach“, erinnert sich die Augenzeugin Shai Aviyor im israelischen TV-Sender „Channel 2“ an den Vorfall: „Wir hörten Leute schreien, jeder ist weggelaufen, und da waren blutige Leute am Boden.“

Die Organisatoren haben sich nach dem Vorfall entschieden, die Parade weiterzuführen, berichtet die israelische Zeitung „Ha’aretz“. Der Täter konnte trotz massiver Sicherheitsvorkehrungen zu dem Umzug vordringen, nach der Tat wurde er innerhalb weniger Minuten von der Polizei überwältigt und festgenommen. Der Mann wurde von den Behörden als Yishai Schlissel identifiziert. Es ist nicht das erste Mal, dass der Mann gegen den Jerusalem Pride gewalttätig wird: Im Jahr 2005 hat er ebenfalls Teilnehmer der Lesben- und Schwulenparade wahllos angegriffen und dabei drei Menschen niedergestochen. Dafür wurde er zu zwölf Jahren Haft verurteilt. In der Berufung reduzierte der Oberste Gerichtshof die Strafe auf zehn Jahre. Vor ungefähr drei Wochen wurde er aus dem Gefängnis entlassen.

Israels Präsident Reuven Rivlin sprach von einem „schrecklichen Hassverbrechen“ und warnte vor Intoleranz. „Die Freiheit des Individuums ist einer der grundlegendsten Werte in Israel“, erklärte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu: „Wir müssen sicherstellen, dass in Israel jeder Mann und jede Frau sicher leben kann – wie auch immer sie sich entscheiden.“ Auch der sephardische Oberrabbiner Izchak Josef verurteilte die Tat und verlangte, der Messerstecher müsse wie ein Mörder bestraft werden.

Ultraorthodoxe Juden protestieren seit Jahren gegen die Jerusalem Pride. Sie halten die Parade der Lesben, Schwulen und Transgender für widerwärtig. Um Komplikationen zu vermeiden, wählen die Veranstalter bewusst eine Route, die kurz und weit entfernt von den Heiligtümern von Judentum, Islam und Christentum ist. Trotzdem müssen mehrere hundert Polizisten und Freiwillige die etwa 5.000 Teilnehmer schützen.

Dabei sind sie nicht immer erfolgreich, wie der Vorfall gestern und vor zehn Jahren zeigt. Im Jahr 2006 gab es sogar mehrtägige Proteste der Ultraorthodoxen gegen die Jerusalem Pride. Dieses Jahr erlaubte die Polizei etwa 30 rechtsgerichteten Aktivisten, in der Nähe gegen die Parade zu protestieren.

Und auch von politischen Ereignissen bleibt die Parade in Jerusalem nicht unberührt: Letztes Jahr musste sie wegen des Gaza-Kriegs auf September verlegt werden. Die Jerusalem Pride ist die kleine, politischere Schwester der Parade in Tel Aviv, wo dieses Jahr 180.000 Menschen gefeiert haben.