[Video] St. Petersburg: Sechs LGBT-Aktivisten festgenommen

In St. Petersburg sind gestern sechs Lesben- und Schwulenaktivisten festgenommen worden. Sie protestierten am Tag der Luftlandetruppen in der russischen Metropole gegen Homophobie und das Verbot der St. Petersburg Pride.

Für ihre Proteste haben sich die Demonstranten die weltberühmte Eremitage ausgesucht. Fünf von ihnen führten nacheinander Einzelproteste durch, die nach russischem Recht erlaubt sind. Trotzdem wurden sie abgeführt und auf eine Wache gebracht. Nach wenigen Stunden wurden sie wieder auf freien Fuß gesetzt.

Der Organisator der Lesben- und Schwulenparade in St. Petersburg, Juri Gawrikow, wurde hingegen schon zuvor festgenommen: Ihn nahmen die Beamten mit, als er seine Wohnung verlassen wollte, um an dem Protest teilzunehmen. Später hieß es, er bleibe bis zu seinem Gerichtstermin am heutigen Montag in Haft. Sein Anwalt berichtete in Sozialen Netzwerken, dass er stundenlang nicht zu Gawrikow vorgelassen wurde.

Die offizielle Begründung für die Festnahme: Gawrikow wird „ordnungswidriges Verhalten“ vorgeworfen. Er soll zwei Fußgänger angeflucht haben, nachdem er sie versehentlich mit seinem Fahrrad getroffen habe. Gawrikow hat diese Vorwürfe sofort zurückgewiesen. Ein Video der Zeitung „Fontanka“, die den Aktivisten einen Tag lang begleiten wollte, belegt eher die Sichtweise von Gawrikow.

Die Proteste der schwul-lesbischen Community am Tag der Luftlandetruppen gehen auf den Aktivisten Kirill Kalugin zurück. Er hatte vor zwei Jahren zum ersten Mal an diesem Tag, der in Russland mit großen Festen begangen wird, alleine mit einem Schild bei der Eremitage gestanden. Prompt wurde er von Soldaten umzingelt und angegriffen, dann nahm ihn die Polizei fest. Mittlerweile ist er nach Deutschland geflohen.