Umgang mit Lesben und Schwulen: Hamburger Erzbischof kritisiert Kollegen

Deutliche Worte zugunsten gleichgeschlechtlicher Beziehungen fand der Hamburger Erzbischof Stefan Heße. „Wir müssen auf die Vielfalt der Lebensformen schauen, die nun einmal da sind“, so der Geistliche in einem Interview mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“.

Wenn es um die Ehe für alle geht, ist der 48-Jährige zurückhaltend. „Aber wenn diese Menschen unsere Nähe suchen, sind wir als Kirche für sie da. Was denn sonst?“ Werte wie Treue und Verlässlichkeit müsse die Kirche auch in gleichgeschlechtlichen Beziehungen wertschätzen, betonte der Hamburger Erzbischof.

Weiters verteidigte Stefan Heße das liberalere kirchliche Arbeitsrecht, nach dem homosexuelle Angestellte nach einer Verpartnerung nicht mehr automatisch entlassen werden sollen. „Anders könnten wir gar nicht weitermachen, weil wir sonst zu wenig qualifizierte Mitarbeiter bekämen, um unsere Einrichtungen zu betreiben“, ist der gebürtige Kölner pragmatisch.

Dass seine Kollegen in den bayerischen Diözesen Passau, Regensburg und Eichstätt die Umsetzung dieses Arbeitsrechts in ihrem Bereich blockieren, kann Heße nicht verstehen. „Ich frage mich, welches Kirchenbild steht dahinter? Wollen wir eine Kirche sein, die ihren Platz mitten in der Welt hat? Dann müssen wir nahe am Leben der Menschen sein, und möglichst viele mitzunehmen versuchen. Oder wollen wir sozusagen eine ‚Kirche der Reinen‘ ohne existenzielle Schwierigkeiten und Brüche? Das wäre dann eine kleine, sehr kleine Schar, die nur wenige Berührungspunkte mit ihrer Umgebung hätte“, so der Erzbischof gegenüber dem „Kölner Stadt-Anzeiger“.