Niedersachsen: Zehn Prozent wollen keine homosexuellen Nachbarn

Erschreckende Ergebnisse liefert eine repräsentative Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN): Demnach wollen mehr als zehn Prozent der Niedersachsen keinen homosexuellen Nachbarn. Unter türkischstämmigen Niedersachsen liegt der Anteil sogar bei mehr als einem Drittel.

Als Nachbarn sind Lesben und Schwule bei den Niedersachsen beliebter als Türken, Moslems, Sinti, Roma oder Aussiedler aus Osteuropa. Lieber ist es den Norddeutschen allerdings, wenn ein Italiener oder Jude neben ihnen wohnt. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Befragung des KFN, für die im letzten Jahr 6.000 Menschen ausführlich befragt wurden. 14 Prozent von ihnen hatten Migrationshintergrund.

Das Ergebnis aus Sicht von Lesben und Schwulen: „Eher angenehm“ sind homosexuelle Nachbarn für 50,3 Prozent der Befragten. Ein Wert, der unter dem von Juden, Christen, Schweden oder Deutschen liegt. Doch 39,2 Prozent der Befragten haben ein ungutes Gefühl, wenn ihr Nachbar einer sexuellen Minderheit angehört – und 10,1 Prozent wäre er eher unangenehm.

Doch wer hat ein Problem mit schwulen und lesbischen Nachbarn? Hier spielt die Herkunft der Befragten eine wichtige Rolle: Unter den Deutschen finden 8,5 Prozent der Befragten homosexuelle Nachbarn „eher unangenehm“. Bei den Nord- und Westeuropäern sind es 5.1 Prozent, doch dann steigt die Kurve an: Bei den Befragten aus Polen sind es bereits 12.3 Prozent, die ein Problem mit einer Lesbe oder einem Schwulen in der Nebenwohnung haben. Unter den Zuwanderern aus der ehemaligen Sowjetunion liegt der Anteil bei 33,8 Prozent, am höchsten ist er bei türkischstämmigen Niedersachsen mit 37,8 Prozent.

Damit ist der Anteil allerdings noch immer niedriger als in der Türkei: Bei einer Studie, die dort gemacht wurde, waren gut 80 Prozent der Befragten gegen einen gleichgeschlechtlich orientierten Nachbarn.

Die Schlussfolgerung des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen: Einerseits gilt Ausländerfeindlichkeit als „Problem der deutschen Bevölkerung Niedersachsens, dem es stärker entgegen zu treten gilt“ – andererseits stellt das Institut fest, „dass auch Migranten, die in Niedersachsen leben, feindlich gegenüber anderen Bevölkerungsgruppen eingestellt sind“. Ein Problem, das wohl nur gemeinsam gelöst werden kann.