Pädophiler Papst-Botschafter tot aufgefunden

Józef Wesołowski ist tot. Der polnische Geistliche wurde heute früh tot in seiner Wohnung im Vatikan gefunden. Der ehemalige Botschafter des Kirchenstaates in der Dominikanischen Republik wartete auf seinen Prozess: Er soll während seiner Amtszeit Burschen missbraucht und Kinderpornografie besessen haben.

Die genauen Umstände seines Todes sind ungeklärt, dürften aber natürlich sein. Vor gut drei Monaten war der polnische Geistliche wegen gesundheitlicher Probleme in ein Krankenhaus eingeliefert worden, das Wesołowski am 20. Juli wieder verließ. Seither hielt er sich unter ärztlicher Beobachtung im Vatikan auf.

Die vatikanischen Behörden leiteten umgehend eine Untersuchung des 67-Jährigen ein, wie das Presseamt am Vormittag mitteilte. Der Staatsanwalt habe eine Autopsie eingeleitet; deren Resultate sollten möglichst bald bekanntgegeben werden.

Wesołowski wurde vorgeworfen, während seiner fünfjährigen Amtszeit als Botschafter des Papstes in der Dominikanischen Republik käuflichen Sex mit minderjährigen Buben gehabt haben. Ein TV-Sender soll den polnischen Geistlichen sogar dabei gefilmt haben, wie er ein Kinderbordell in Santo Domingo betreten hat.

Besonders abscheulich war der Fall eines Burschen, den Wesołowski kennengelernt hat, als er 13 war. Er leidet an Epilepsie und wurde von dem Geistlichen für sexuelle Dienstleistungen mit Medikamenten bezahlt.

Nachdem die Vorwürfe bekannt geworden sind wurde er im August 2013 als Botschafter abberufen. Nach einem kirchenrechtlichen Prozess wurde Wesołowski bereits im Juni 2014 in den Laienstand versetzt, also aller priesterlichen Rechte und Pflichten enthoben.

Im September 2014 wurde er auf persönliche Anordnung von Papst Franziskus unter Hausarrest gestellt. Dort wartete Wesołowski auf seinen Strafprozess. Der vatikanische Staatsanwalt beschuldigte des 67-Jährigen, für „schwere psychologische Schäden“ seiner Opfer verantwortlich zu sein.

Die Entscheidung des Vatikans, Wesołowski nicht in die Dominikanische Republik auszuliefern, sorgte dort für Unmut. „Diese Kinder sind missbraucht worden. Die Öffentlichkeit fordert, dass ihm hier der Prozess gemacht wird, nicht als Diplomat, sondern als Mann“, erklärte Staatsanwältin Yeni Berenice Reynoso vor einem Jahr in der „New York Times“.