London: Klinik veröffentlicht unabsichtlich Daten von HIV-Patienten

Es ist wohl einer der größten Datenskandale seiner Art: Eine britische HIV-Klinik hat versehentlich die E-Mail-Adressen von 780 Patienten veröffentlicht, viele davon HIV-positiv.

Der Fehler ist der „56 Dean Street“-Klinik in London am Dienstag passiert, als sie ihren Newsletter per E-Mail ausgeschickt hat. Alle Namen und E-Mail-Adressen der Empfänger waren für jeden Empfänger einsehbar. Die Empfänger dieser Mail waren Menschen, die die Dienstleistungen der Klinik im Bereich HIV oder anderer sexuell übertragbarer Krankheiten nutzen. Inhalt der Nachricht waren unter anderem Informationen über mögliche Behandlungsmöglichkeiten für Langzeit-Patienten.

Die Klinik hat bereits wenige Stunden nach dem Vorfall eine Hotline für Betroffene eingerichtet. Sie hat sich am Mittwoch offiziell für ihren Fehler entschuldigt. Der betroffene Mitarbeiter wurde freigestellt. Nicht alle Empfänger des Newsletters seien HIV-positiv, betonte die Klinik. Sie kündigte Untersuchungen an, wie dieses Unglück passieren konnte. Doch das Vertrauen ihrer Patienten hat sie verspielt: „Ich war Patient bei 56 Dean Street, seit ich vor fünf Jahren nach London gekommen bin und ich habe ihnen bei meinen Daten immer getraut“, so ein Patient zur britischen Zeitung „The Guardian“: „Es ist unglaublich, dass so etwas heutzutage passieren kann. Ich konnte die Liste heruntersollen und fand dort einige Namen, die ich kannte, bei einigen wusste ich deren HIV-Status nicht.“

Besonders tragisch: Mit dem E-Mail-Service wollte die Klinik den Patienten das Leben leichter machen und ihnen Besuche in der Klinik ersparen. Ein System, das bis Dienstag auch funktioniert hat: „Das Niveau der Betreuung, das ich dort bekommen habe, sucht seinesgleichen“, erzählt Rob Sherrad, der seit zweieinhalb Jahren von der Klinik betreut wird. „Jedes Mitglied des Teams, mit dem ich zu tun hatte, hat irgendwann diesen Extra-Schritt getan. Es ist ein menschlicher Fehler und der kann jedem passieren.“

Der britische Gesundheitsminister Jeremy Hunt hat unterdessen eine Untersuchung angekündigt. Sie soll klären, wie das britische Gesundheitssystem NHS mit vertraulichen medizinischen Informationen umgeht. Das Datenleck bezeichnete er als „vollkommen inakzeptabel“.

Auch der britische Datenschutzbeauftragte hat eine Untersuchung der Vorfälle angekündigt. Seinen Angaben zufolge Handelt es sich hierbei um eine der größten Verletzungen der Privatsphäre in Großbritannien innerhalb der letzten Jahre.

Die 56 Dean Clinic im Londoner Stadtteil Soho gilt als eines der größten Krankenhäuser für sexuelle Gesundheit in Europa. Sie hält unter anderem den Rekord für die meisten HIV-Tests, die an einem Ort durchgeführt wurden: Am Welt-Aids-Tag 2011 in der G-A-Y-Bar.