Rugby-Profi Sam Stanley spricht über sein Outing

Erst letzte Woche hat sich der englische Rugby-Profi Sam Stanley in einem Interview mit der „Sunday Times“ als schwul geoutet – als erster aktiver Spieler der Rugby Union.

Das öffentliche Coming Out war dabei schon seit mehr als einem Jahr geplant. Seit 14 Monaten ist er mit Cyd Zeigler, Redakteur des Portals „Outsports“ in Kontakt. Dieser hat Stanley auf seinem Weg unterstützt. Vor einem halben Jahr hat der Rugby-Spieler angefangen, sich Stück für Stück bei seinen Kollegen als schwul zu outen.

Die Rugby-Gemeinde unterstützt ihn vorbildhaft: „Die Reaktionen von meinen jetzigen und früheren Teamkollegen und Trainern waren bis jetzt wunderbar“, schreibt Stanley dem Journalisten: „Ich wollte das schon so lange tun, aber ich wusste nicht wirklich, wie – und es den Leuten einzeln zu erzählen, wäre zu viel Stress gewesen. Ich war nie glücklicher und nun, da diese große Bürde weg ist, kann ich nach vorwärts schreiten und endlich ich selbst sein. Keine Lügen mehr, ich fühle mich befreit.“

Doch das war nicht immer so: In der Vergangenheit habe er sogar an Selbstmord gedacht, weil er Angst vor einem abrupten Karriereende gehabt habe. „Ich stand vor ungefähr vier oder fünf Jahren auf einer Brücke und habe auf eine Autobahn in Essex gestarrt“, sagte der 23-Jährige der „Sunday Times“. „Rückblickend scheint die Idee albern, aber ich dachte damals, dass ich so den Schmerz loswerden kann.“

Einer der Gründe, warum sich Sam Stanley nun als schwul geoutet hat, liegt auch im Outing seines Sportkollegen Keegan Hirst. Dieser hat vor fast drei Wochen, ebenfalls in einer britischen Sonntagszeitung, seine Homosexualität öffentlich gemacht. Auch hier gab es überwiegend positive Reaktionen.

Sein großes Vorbild war aber Gareth Thomas, schreibt der Rugby-Profi in „Outsports“, „weil er der einzige offen schwule Rugby-Spieler war. Aber er war auch jemand der zu dieser Zeit viel in dem Spiel erreicht hat, nicht nur als Kapitän von Wales, sondern auch der British & Irish Lions, was in Großbritannien die größte Ehre ist und der Höhepunkt der Karriere eines Rugbyspielers. So toll es war, die positiven Reaktionen zu sehen, die er bekam – er outete sich am Ende seiner Karriere, während ich erst am Anfang stand.“

Diese Einstellung änderte sich langsam – und manifestierte sich, nachdem er zu den Englands Sevens, einer verkleinerten Rugby-Nationalmannschaft, einberufen wurde. „Der Zusammenhalt hier war wirklich eng und sie haben mir wirklich sehr geholfen, das Ganze einfach zu machen. Sie haben sich gefreut, über Dinge zu reden und allem zuzuhören, was ich zu sagen hatte. Dieses Geheimnis, das ich über Jahre geheim gehalten hatte, war endlich draussen und die Reaktionen waren nirgends so schlecht, wie ich es befürchtet hatte.“