Deutscher Kardinal warnt Politiker vor Ehe-Öffnung

Die deutsche Politik habe nicht das Recht, Schwule und Lesben im Eherecht gleichzustellen. Das erklärte Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzender der deutschen Bischofskonferenz, beim traditionellen St.-Michael-Empfang in Anwesenheit von Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihrem Vizekanzler Sigmar Gabriel.

In einer fast dreißigminütigen Rede erklärte der ranghöchste katholische Würdenträger der Bundesrepublik, der Staat habe nicht das Recht, die Zivilehe „neu zu definieren“: Der Staat könne „nicht über die Menschenwürde urteilen“, so Marx: „Das ist nicht eine Auffassung der Kirche, sondern er findet Ehe und Familie vor.“ Die Beziehung von Mann und Frau, die „offen ist für eigene Kinder“ sei deshalb auch „der überwältigende Wunsch der meisten Menschen in diesem Land.“, so der Kardinal. Diese heterosexuelle Ehe sei „notwendig für die Zukunft der Gesellschaft“, deshalb habe der Staat „nur das Recht, sondern die Pflicht, diesen Bereich in besonderer Weise zu schützen“.

Die Bezeichnungen „Öffnung der Ehe“ oder „Homo-Ehe“ vermied der Kardinal dabei: Die Forderungen nach einer Öffnung der Zivilehe für Lesben und Schwule bezeichnete er verklausuliert als „Diskussionen vor den Ferien, die vielleicht wiederkommen“ würden.

Bei dem Empfang waren außer der Kanzlerin und ihrem Stellvertreter auch andere Mitglieder der Bundesregierung anwesend. Einem Bericht der katholischen Nachrichtenagentur KNA zufolge saßen auch die offen lesbische Umweltministerin Barbara Hendricks von der SPD, ihr Parteikollege Außenminister Frank-Walter Steinmeier, CDU-Gesundheitsminister Hermann Gröhe, Arbeitsministerin Andrea Nahles von der SPD und Landwirtschaftsminister Christian Schmidt von der CSU.