Russische Medienbehörde verlangt Löschung von ‚Deti-404‘

Es ist wohl das Ende eines engagierten Projekts: Die russische Medienaufsicht Roskomnadsor hat gestern verfügt, dass das beliebte soziale Netzwerk „VKontakte“ die Seite von „Deti-404“ („Kinder 404“) sowie die Seiten von vier weiteren Gruppen sperren muss.„Deti-404“ ist eine Plattform, die schwulen, lesbischen, bisexuellen und transgender Jugendlichen die Möglichkeit gibt, sich auszutauschen.

Damit wird „Deti-404“ die nächste Möglichkeit genommen, LGBT-Jugendliche zu beraten und zu vernetzen. Bereits im April hatte ein Bezirksgericht in St. Petersburg entschieden, dass die Webseite des Projekts gegen das „Homo-Propaganda“-Gesetz verstoße. Auf dieses Urteil bezieht sich auch die Behörde – auch wenn die Gründerin von „Deti-404“, die Journalistin Elena Klimowa, Einspruch dagegen eingelegt hat.

In ihrer Entscheidung erklärt Roskomnadsor, die Seite richte sich an Jugendliche und enthalte „Werbung für Erwachsene mit dem Ziel nicht-traditioneller Beziehungen, unkonventionelle freizügige Darstellungen von sexuellen Beziehungen zwischen Jugendlichen und Erwachsenen und weitere Arten von illegaler Informationen“. Nun hat VKontakte drei Tage Zeit, die entsprechenden Gruppen zu löschen.

Diese Verfügung wird das in Russland beliebte soziale Netzwerk auch erfüllen: Schließlich drohen bei Nichteinhaltung einerseits empfindliche Geldstrafen, andererseits könnte Roskomnadsor die gesamte Webseite vom Netz nehmen. Eine Sperre einzelner Seite ist aus technischen Gründen nicht möglich.

Bei ihrer Entscheidung ist die Behörde nicht ganz uneigennützig: Schließlich waren es Roskomnadsor und die putintreue Jugendorganisation „Junge Garde“, die das Urteil gegen „Deti-404“ angestrengt haben. Und auch, wenn der Prozess im Oktober neu verhandelt wird, dient es Putins Schergen als Begründung, nun auch die VKontakte-Seite des Projekts stillzulegen.

Mittlerweile ist „Deti-404“ eine der letzten Anlaufstellen für junge Lesben, Schwule, Bisexuelle oder Transgender. International wurde das Projekt in den letzten Jahren hoch gelobt: Ein 17-Jähriger, der sich für „Deti-404“ einsetzt, wurde in Deutschland für den Kinder-Friedenspreis nominiert. Eine Dokumentation über das Projekt wurde letztes Jahr beim Filmfest Hamburg ausgezeichnet.

Der Name ist eine Anspielung auf den Fehlercode, den Webserver bei nichtvorhandenen Internet-Seiten zurückgeben und soll so auf die die Isolation von Teenagern hinweisen, die einer sexuellen Minderheit angehören.