Mittwoch, 17. Juli 2024
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Das ist passiert, als ich mich in Serbien auf Grindr eingeloggt und einen schwulen Flüchtling aus dem Irak getroffen habe

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In Belgrad, auf Grindr – noch eine Nachricht, wie so viele. Kein Gesicht, guter Körper, sieht heiß aus. Etwas knapp und direkt. Aber ja, lass uns treffen. Er kommt schnell. Er ist heiß. Ein Südländer vielleicht?

Dann kommt es heraus: Er ist Iraker, war in Griechenland auf ein paar Inseln. Bei ihm geht es nicht, weil er ein kleines Zimmer mit ein paar Freunden teilt. Er ist auf der Durchreise und nur für ein paar Tage hier. Seine nächste Station ist unsicher.

Plötzlich habe ich in meinem Hotelzimmer die wichtigste Schlagzeile jeder europäischen Zeitung.

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Er ist ein Flüchtling, aus dem Irak geflüchtet. Er ist mit dem Boot gereist, hat Griechenland durchquert, und hier in Belgrad hat er sich mit einer Prepraid-SIM-Karte ins WLAN eingeloggt und Grindr gefunden.

Diese Schlagzeilen, die weit entfernt scheinen, diese Flüchtlinge, diese Migranten, diese Obdachlosen, diese Schnorrer, diese Unruhestifter. Sie nicht nicht länger „diese“ und weit weg, sondern das ist er, jetzt.

Mein Reisender fängt an zu reden und plaudert. Er ist langsam, sein Englisch ist unsicher, aber verständlich. Er ist schwul, er lächelt mit seinen Augen, aber er ist alleine.

Er kennt die Leute, mit denen er auf der Reise ist, aber er kennt sie nicht gut – sie sind buchstäblich Reisebegleiter, mit denen er zusammengewürfelt wurde.

Er ist in einem Raum mit vielen anderen Männern untergebracht, vor allem jungen, auch Reisende. Aber der Raum ist kein Hostel – es sind nur ein paar Betten. Das ist die ungeschminkte, rohe, unangenehme Seite, wenn man ein arbeitsloser, obdachloser, staatenloser Flüchtling ist – ein Migrant, der Arbeit sucht; etwas, das er Zuhause nennen kann, um ein neues Leben zu beginnen.

Ich möchte ihn mehr fragen, auch wenn es sich so anfühlt, als würde ich herumschnüffeln und ihn bedrängen. Aber er redet. Er hat den Irak verlassen, er wollte nicht gehen, aber seine Eltern sind tot, und so hatte er nichts mehr, für das es sich zu bleiben lohnte. Ein Verwandter hat ihm das Geld für die Überfahrt auf einem Boot in die Türkei oder eine griechische Insel bezahlt, und von hier nach dort.

Er hat kein Ziel, nur das nächste Land. Er weiß nicht, wohin es als nächstes geht, oder wann – er wartet, ist sich nicht sicher, worauf, aber wahrscheinlich eine Mitfahrgelegenheit in einem Auto, ein Sitzplatz im Bus oder im Zug… Kein Platz im Flugzeug. Oder er bleibt, gefangen, staatenlos, und sich an nichts außer seiner Existenz festklammernd.

Ein Lächeln, eine Umarmung – er geht.

Die Folgen de Krieges haben diesen Raum gerade verlassen, ich stehe verlassen da und weine. Und mein Freund aus dem Irak? Wird er es ins nächste Land schaffen, und dann ins übernächste? Wird er Arbeit bekommen, ein neues Leben aufbauen und der Mensch werden, der er verdient zu sein?

Über den Autor

Ed Fordham ist ein britischer Liberaldemokrat, der sich für die Rechte vpn LGBTI einsetzt. Er war in Belgrad, um an der Belgrade Pride und der Menschenrechtskonferenz teilzunehmen. Dieser Text ist zuerst auf GayStarNews erschienen. Wir danken Ed Fordham für die Genehmigung, ihn übersetzen und ebenfalls veröffentlichen zu dürfen.