Gauck: ‚Gleichstellung von Homosexuellen gehört zu Deutschland‘

Deutliche Worte zur Gleichberechtigung sexueller Minderheiten kamen dieses Wochenende vom höchsten Würdenträger Deutschlands: In seiner Rede anlässlich des 25. Jahrestages der Wiedervereinigung Deutschland machte Bundespräsident Joachim Gauck klar, dass die Gleichberechtigung von Homosexuellen zu Deutschland gehöre.

In seiner Rede beim zentralen Festakt zum Tag der deutschen Einheit in der Alten Oper in Frankfurt meinte Gauck, die Integration von Flüchtlingen werde „eine Herausforderung, die Generationen beschäftigen wird“. Der Bundespräsident sagte, dies wäre schwieriger als die Gestaltung der Wiedervereinigung vor 25 Jahren.

Doch dabei gibt es für das deutsche Staatsoberhaupt verbindliche Leitlinien: „Unsere Werte stehen nicht zur Disposition!“, sagte Gauck. Er forderte eine „gemeinsame Werbegrundlage“: „Gerade weil in Deutschland unterschiedliche Kulturen, Religionen und Lebensstile zuhause sind, gerade weil Deutschland immer mehr ein Land der Verschiedenen wird, braucht es die Rückbindung aller an unumstößliche Werte. Einen Kodex, der allgemein als gültig akzeptiert ist“, so der Bundespräsident.

Und Gauck machte klar, was er damit meint: „Hier ist die Würde des Menschen unantastbar. Hier hindern religiöse Bindungen und Prägungen die Menschen nicht daran, die Gesetze des säkularen Staates zu befolgen. Hier werden Errungenschaften wie die Gleichberechtigung der Frau oder homosexueller Menschen nicht in Frage gestellt.“

Die Erwähnung von Lesben und Schwulen kann auch als deutliche Ermahnung an die deutsche Bundesregierung verstanden werden. Denn Gauck sprach nicht von „Toleranz“, sondern von „Gleichberechtigung“ – und davor drücken sich CDU und CSU seit Jahren.

Es ist nicht das erste Mal, dass Gauck sich offen für eine Gleichberechtigung sexueller Minderheiten einsetzt. So hat er erst im Juni beim evangelischen Kirchentag in Stuttgart betont, dass sein Glaube und sein „unbedingtes Ja zur Aufklärung“ zusammen passten – was quasi eine Unterstützung der Ehe-Öffnung bedeutet, soweit das Amt des Bundespräsidenten eine Äußerung zu tagespolitischen Themen zulässt.

Auch hatte sich Gauck in einem Interview mit der „Irish Times“ nach dem Referendum in Irland dafür ausgesprochen, auch in Deutschland eine „stärkere Debatte“ über die Ehe-Öffnung zu führen. Eine Gleichstellung homosexueller Paare nähme anderen nichts weg, so der deutsche Bundespräsident.